Für Simi …

Schawinsky fragt seine Gäste jeweils, nachdem er sie bereits vorgestellt hat, überflüssigerweise noch wer sie sind: Ich bin der jüngere Sohn von Schlegel Moritzens Pauls Paul … ja, der jüngere von den beiden. Der, der schon immer etwas schräg war. In Standardsprache klingt das aber alles irgendwie eigenartig. Dort, wo ich aufgewachsen bin, würde es heissen: dr jüngr vu z’Scheigeli Moritze Pauls Päulis Buebe vu dr Sage … Weisst du jetzt mehr? – Ich eigentlich auch nicht. Diesen Moritz habe ich schliesslich nie kennengelernt, und von Grossvater Paul sind mir auch fast nur seine schlohweissen Haare in Erinnerung geblieben, und der (gute!) Ratschlag, den er meinem Vater einmal gegeben hatte, als sich dieser bei ihm beklagte, seine Erziehungsversuche würden bei mir nicht fruchten: „Lass den Jungen nur machen! Der kommt schon recht heraus.“ Bravo Nini, das hast du schön gesagt! Und Recht hast du gehabt! Ja schon, aber wer bin ich denn jetzt? Ganz einfach: Simis Onkel, der, der abgehauen ist. Nach Panamá.
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14 Monate gefangen in der Freiheit

Fast 14 Monate lang waren Roli und ich in der Schweiz ‚gefangen‘, weil

a) zuerst der Flughafen in Panamá wegen der Pandemie geschlossen wurde und
b) die Lufthansa ihre Direktflüge von Frankfurt nach Panamá ‚vorübergehend‘ aussetzte

Das war uns grundsätzlich egal, da die Corona-Massnahmen in der Schweiz – gemessen an den Massnahmen anderer Länder – sehr erträglich waren und wir uns jederzeit frei in der Natur bewegen durften. Wir fühlten uns in Helvetien einigermassen sicher und wohl.

In Panamá wäre das am Anfang anders gewesen. Die hatten zuerst extrem hohe Fallzahlen und trafen von heute auf morgen so drastische Massnahmen, dass einem Hören und Sehen hätte vergehen können. Das stellten wir bereits am 11. Februar 21 fest, als wir beobachten konnten, wie Gesundheitspersonal in Schutzanzügen, ähnlich wie Feuerwehrleute nach einem Atomunfall, bei allen ankommenden Passagieren mit digitalen Thermometern die Körpertemperatur checkte. Damals fanden wir das noch ziemlich übertrieben, ´ridículo‘. Entsprechend froh waren wir, dass wir noch mit einem der letzten Flüge das Land am Kanal in Richtung Schweiz verlassen konnten.

Schon bald wurde der Flughafen Tócumen (PTY) ganz geschlossen und eine allgemeine Ausgangssperre über das ganze Land verhängt. Chuza! Seine Wohnung oder sein Haus durfte nur noch verlassen, wer einen Passierschein hatte, den er oder sie sich via Internet besorgen musste. Die Bevölkerung wurde via Radio, Fernsehen und Flugblätter darüber informiert, dass Männer ihre Wohnungen jeweils am Montag, Mittwoch und Freitag für zwei Stunden verlassen durften, sofern sie einen guten Grund dafür angeben konnten. Zum Beispiel einen Arztbesuch oder einen Lebensmitteleinkauf. Frauen hatten das gleiche Recht am Dienstag, Donnerstag und am Samstag. Am Sonntag mussten alle zuhause bleiben. – Dios mío! Was hatten wir doch für ein Glück, dass wir es noch rechtzeitig in die Schweiz geschafft hatten!

Während in der Schweiz die Fallzahlen dank der richtigen Massnahmen des Bundesrates langsam zurückgingen und wir den Sommer schon wieder fast ganz unbeschwert geniessen konnten, erhielt die Regierung in Panamá die drastischen Massnahmen über die ganze Zeit aufrecht. Trotzdem sanken die Fallzahlen nur langsam. Aber sie sanken. Kontinuierlich.

Die Schweiz erlebte im Herbst eine zweite und jetzt sogar eine dritte Welle, und der Bundesrat hat es immer schwerer, selbst durch wissenschaftliche Erkenntnisse absolut begründete Massnahmen einzuführen oder umzusetzen. Zu gross ist der Widerstand der Industrievertreter, einiger Kantone und der SVP. Für die Bekämpfung einer Pandemie ist der Föderalismus definitiv nicht förderlich. Viel zu lang sind die Enzscheidungswege, und viel zu viel wollen da auch noch ihren Senf dazugeben, selbst wenn sie von Epidemiologe keine Ahnung haben. Zuletzt jetzt auch gewisse Jugendliche, die glauben, zu wenig ‚gehört‘ zu werden.

Allen voran die SVP schaffte es, mit dümmlichen Propagandavideos (vor allem von Matter und Köppel) ihre Basis erfolgreich gegen die Coronapolitik unserer Regierung aufzuhetzen. Und die Saat geht auf: der Protest in Liestal und die Ausschreitungen in St. Gallen waren absehbare Konsequenzen dieser ‚Politik‘.

Köppel meinte in einem seiner Videos, Demokratie sei das Recht zum „Umemuule und a dummi Schnurre ha“. In einem anderen Video: „Demokratie heisst Mehrheit vor Wahrheit. Diktatur ist Wahrheit vor Mehrheit“. Im gleichen Video verbreitete er sein Hirngespinst, in Zukunft sei es verboten, seine Meinung frei zu äussern. Mit ‚Meinung‘ meinte er Lügen und Verschwörungstheorien. Nach seiner Auffassung sind das Meinungen. Und wieder in einem anderen Video verkündete Köppel lauthals, Demokratie bedeute, dass man automatisch gegen etwas sein müsse, wenn der Bundesrat dafür sei, und umgekehrt.

Nach meinem Demokratieverständnis sind das keine ‚Definitionen‘ der Demokratie, sondern hauptsächliche Wesensmerkmale oder Glaubensbekenntnisse der SVP: Umemuule und a dummi Schnurre ha, Lügen und Verschwörungstheorien als Meinungsfreiheit verkaufen, immer dagegen sein, wenn die Regierung dafür ist und umgekehrt. Was für ein bescheidenes Demokratieverständnis! Interessanterweise gelingt es aber Typen wie Glarner, Aeschi, Köppel und Matter, ihre Basis von diesem geistigen Schrott zu überzeugen. Wie Schafe rennen ihre Follower meckernd und blökend hinter diesen Leithammeln her und wiederholen gedankenlos mit religiösem Eifer die Psalmen der SVP, die ihnen von ihren aufwieglerischen Missionaren vorgebetet werden.

Matter rührte in seinem letzten Video die Werbetrommel für das Buch ‚Unerwünschte Wahrheiten‚ von Fritz Vahrenholt und Sebastian Lüning, zwei bekannten Verschwörungstheoretikern und sowohl Klima- als auch Coronaleugnern. Ein Faktencheck der Wissenschaftsplattform „Climate Feedback“ stufte gemäss Wikipedia die wissenschaftliche Glaubwürdigkeit der Erklärungen von Vahrenholt und Lüning auf einer Skala von +2 bis −2 mit −1,8 ein. Auch der Klimaforscher Mojib Latif sowie der Direktor des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung Sami Solanki hielten Vahrenholts Sonnenaktivitäts-Thesen für haltlos.

Ich habe auf Matters YouTube-Kanal bei einem guten Dutzend von Kommentaren seiner Anhänger auf die Artikel über Vahrenholt und Lüning in Wikipedia hingewiesen. Ausser einem, der wahrscheinlich übersehen wurde, waren sie am folgenden Tag alle gelöscht. Kommentare werden offenbar nur akzeptiert, wenn sie Matter huldigen. Wie praktisch!

Köppel wiederholt in seinen Videos immer wieder, dass die Schweiz ja bloss für ein Tausendstel des CO2-Ausstosses verantwortlich sei, und dass es deshalb sinnlos wäre, wenn wir unseren Ausstoss auf 0 herunterfahren würden. Das würde ja sowieso nichts bringen. Die anderen sollen zuerst … Auf die Idee, dass die Schweiz mit guten Beispiel vorangehen und andere motivieren könnte, ihrem Beispiel zu folgen, kommt er nicht. Das ist zu viel verlangt. Und dass die Schweiz doch eigentlich prädestiniert ist, um neue Techniken der Energiegewinnung zu entwickeln, scheint er auch nicht zu verstehen. Er setzt immer noch auf Atomstrom und Dreckschleudern. Ein Ewiggestriger! Und bezüglich Todesfällen und Long-Covid-Patienten meint er mehr oder weniger, die meisten Toten seien ja sowieso schon alt gewesen, und Long-Covid-Patienten könne es ja möglicherweise vereinzelt geben, aber das sei in erster Linie ein Vorwand, um unser ’sozialistisches‘ System auszubauen.

Typen wie sie, also Matter, Glarner, Aeschi, Köppel usw. tragen die Verantwortung dafür, dass unser verwöhnter und verhätschelter Teil der Jugend auf die Strasse geht und weinerlich verkündet, sie würden um ihre Jugend betrogen. Wie lächerlich! Aber wer zieht Köppel & Co. zur Verantwortung?
Ich lüfte den Hut vor dem Teil der Jugend – und das ist glücklicherweise der grössere – der gelernt hat und gewillt ist, auch einmal auf etwas zu verzichten, zu erkennen, dass es der Jugend (und nicht nur der Jugend) in der Schweiz viel besser geht als den Menschen in den meisten anderen Ländern. Die Corona-Massnahmen in der Schweiz sind ja sowas von sanft im intereuropäischen und im internationalen Vergleich!

Umso mehr hat mich erstaunt, dass die Bevölkerung in Panamá, nicht nur die Jugend, sondern die Bevölkerung ganz allgemein, während dieser Pandemie eine Solidarität entwickelt hat, von der die Schweizer Bevölkerung nur träumen kann. Alle halten sich an die strikten(!) Massnahmen der Regierung, ohne Murren und ohne „umemuule und dumm schnurre“. Man diskutiert natürlich mit, das schon, aber anständig. Dafür liegt der R-Wert seit längerer Zeit unter 1 und die Fallzahlen nehmen kontinuierlich ab. Und dafür dürfen in Panamá auch die Restaurants öffnen.

Vieles funktioniert schlecht in Panamá. So zum Beispiel das Internet. Wenn es läuft, dann ist es zwar blitzschnell. Aber häufig läuft es eben nicht. Es wird – zumindest da wo wir wohnen – täglich mehrmals unterbrochen. Oder elektrische Installationen: eine Katastrophe! Die Bauqualität: miserabel. Und am schlimmsten: die Justiz! Panamá ist durch und durch korrupt! Zwar gibt es immer wieder ernsthafte(?) Anläufe, die Korruption zu bekämpfen, aber die werden meist schon im Keim erstickt. Spätestens aber dann, wenn eine neue Regierung ans Ruder kommt; denn meistens werden mit einer neuen Regierung auch die ganzen lukrativen Posten neu verteilt, und keiner will sich die Chance auf einen dieser Zucker-Posten in der nächsten Regierung verspielen, indem er sich für Gerechtigkeit einsetzt. Gerichtsfälle werden deshalb nach Möglichkeit hinausgezögert und verschleppt bis es dem Kläger verleidet und der Fall ad Acta gelegt werden kann. Panamá ist eines der Länder, in denen der Kapitalismus am meisten versagt hat. Hier regiert das Geld. Eindeutig. Damit jetzt aber keine falschen Schlüsse gezogen werden: Ich bekenne mich zum Kapitalismus. Nur, wenn er dermassen ausartet wie in Panamá, dann wird die Demokratie ausgehebelt. Der Kapitalismus funktioniert nur, wenn er mir klaren Regeln vernünftig im Zaum gehalten werden kann.

Aber …

Was den Umgang mit der Corona-Pandemie angeht, da muss ich Panama ein Kränzchen winden! Die Regierung erlässt Weisungen, die Bevölkerung macht vorbildlich mit, keiner jammert und keiner protestiert. Nur die korrupten Beamten, die sich mit der Beschaffung von Masken und Impfstoffen eine goldene Nase verdienten oder verdienen wollten, die werden öffentlich im Fernsehen und in der Presse an den Pranger gestellt. Schonungslos. Die Fallzahlen gehen zurück und die Restaurants sind wieder offen. Zudem wird hier geimpft auf Teufel komm raus.

Im Supermarkt ist mir aufgefallen, dass die Kassiererinnen neuerdings immer fragen: „Forma de pago?“ – Wie bezahlst du? Und zwar bevor sie mit dem Tippen beginnen. Zuerst habe ich mich gefragt, was das soll. Gestern habe ich herausgefunden, was dahinter steckt.

JEDER Einwohner von Panamá bekommt, gebunden an die Nummer seiner ID, vom Staat pro Monat einen „BONO“, einen Corona-Bonus, von 120 Dollar für Lebensmittel. Und wer dann an der Kasse nicht wie ich antwortet: „Mit der Kreditkarte“, sondern „Mit dem Bono“, dem werden die Kosten für Lebensmittel von diesem Bono abgezogen. Das System scheint zu funktionieren. Eine Freundin von uns fragt manchmal an der Kasse aus lauter Neugier, wie hoch denn ihr Saldo sei … Natürlich bekommt sie immer die gleiche Antwort: „Dein Bono ist noch vollständig“, weil sie genau wie wir (zusammen hätten Roli und ich sogar jeden Monat 240 Dollar zur Verfügung!) diesen Bono selbstverständlich nicht abholt. Es gibt genügend Menschen hier, die darauf angewiesen sind.

Am 28. März sind wir in Panamá angekommen. Nachdem Roli aus Panamá bereits während unserem Aufenthalt in der Schweiz drei Einladungen zum Impfen bekommen hatte und alle absagen musste, weil er eben gar nicht in Panamá war, hat er sich nach unserer Ankunft subito online wieder auf eine Liste setzen lassen. Drei Tage später hatte er eine Einladung für den 7. April, zwischen 16 Uhr und 17 Uhr in der Escuela Bilingüe in Veracruz, etwa 6 Kilometer von unserem Wohnort Playa Bonita entfernt.

Ich habe Roli am 7. April nach Veracruz gefahren, weil wir ja nicht wissen konnten, ob er vielleicht allergische Reaktionen zeigen würde. Um 16 Uhr waren wir dort, um 16:10 Uhr war Roli geimpft! Generalstabsmässig organisiert. Hasta luego. Chapeau!

Gegenwärtig ist mir die Situation in Panamá trotz Korruption und zahlreicher qualitativer Abstriche sympathischer als die in der Schweiz. Die Durchschnitts-Bevölkerung hier lebt mit weit weniger Luxus, ist täglich mit viel mehr und viel grösseren Problemen konfrontiert als die Bevölkerung in der Schweiz. Und trotzdem scheinen die Panameños im Moment zufriedener und vor allem solidarischer zu sein als vor allem die wohlstandsverwöhnten Demonstranten in der Schweiz, die offenbar keinen Plan im Umgang mit kleinen Problemen haben. Denn, seien wir ehrlich, die Solidarität, die gegenwärtig verlangt wird, ist doch wirklich nicht zu viel verlangt! Das ist wirklich nur ein kleines Problem. Ich frage mich, was diese verweichlichten Pfeifen tun würden, wenn sie ‚richtige‘ Probleme hätten …

Videovariante der Geschichte 🙂

Reisen in Zeiten von Corona

Am 11. Februar 2020 kamen Roli und ich in die Schweiz, um an der Basler Fasnacht teilzunehmen. Danach wollten wir eine Flussfahrt von Basel nach Rotterdam unternehmen, ein paar Freunde besuchen und am 28. März wieder nach Panamá zurückfliegen.

Die Fasnacht in Basel fand bekanntlich nicht statt, und die Flussfahrt auch nicht, aber wir konnten wenigstens einige Freunde sehen, bevor die Einschränkungen wegen der Pandemie auch freundschaftliche Kontakte verunmöglichten. Da wir jedoch keine Kinder von Traurigkeit sind, unternahmen wir halt stattdessen allein zahlreiche Exkursionen, vorwiegend in die Berge, und vertrieben uns die Zeit so. Langweilig wurde uns nicht.

Pfannenstiel
Üetliberg-Felsenegg
Radtour zum Lützelsee
Klangweg im Toggenburg
Schönhalden
Guggenhalde zum Zweiten
Skywalk
usw.

Auf meinem YouTube-Kanal sind zahlreiche weitere Videos zu unseren Ausflügen zu finden.

Gleichzeitig genoss Roli die Möglichkeit, in der Schweiz seinem Hobby, dem Laufen, in der freien Natur zu frönen. In Panamá rennt er immer auf einem Laufband im hauseigenen Gym, mit Klimaanlage. Draussen wäre es viel zu warm. Die Möglichkeit, in Helvetien im Freien zu rennen und die frische Landluft atmen zu können, ist für ihn ein absolutes Highlight, selbst wenn er manchmal die würzige Luft frisch ‚gegüllter‘ Wiesen in Kauf nehmen muss.

Roli entdeckte zu Beginn der Pandemie auch ein zweites Hobby: die Schneiderei. Er besorgte sich kurzerhand eine Bernina 590 und begann auf Teufel komm raus zu nähen und zu sticken. Zuerst gab’s Küchenschürzen für den ganzen Freundeskreis und die Verwandtschaft, dann bestickte Servietten, später Hemden, allerdings nur für sein Lieblingdsmodel Bipo, Hosen, ebenfalls nur für Bipo, und zuletzt sogar Kochwesten, Vestons und Mäntel. Das neue Hobby entwickelte sich schnell zu einer wahren Leidenschaft und Roli erreichte in sämtlichen Stoffläden von Winterthur bis St. Gallen einen respektablen Bekanntheitsgrad. „Wie bitte? Sie schon wieder? Haben schon das ganze Material verarbeitet, das Sie letztes Mal gekauft haben?“ Die Verkäuferinnen von Winterthur über Rapperswil, Ziegelbrücke, Herisau, St. Gallen und Rüti empfingen ihn zunehmend enthusiastischer, wohl wissend, dass ihnen dieser angefressene Latino ganz sicher wieder einiges abkaufen würde.
Bipos Schränke sind jetzt aber voll, auch die neu dazugekauften. Der Couturier Al Varado muss sich zwingend einen neuen Absatzmarkt erschliessen, wenn er sein zweites Hobby nicht an den Nagel hängen will …

Überzeugt
Das Tapfere Schneiderlein
Weil am Rhein

Ich habe mir derweil einen Spass daraus gemacht, sab und zu ein paar Populisten der SVP auf die Füsse zu treten.

Nachdem klar wurde, dass wir die Aufenthaltsberechtigung von 90 Tagen im Schengenraum deutlich überschreiten würden, meldeten wir uns beim Migrationsamt in St. Gallen und fragten, was wir tun könnten/müssten, um nicht zu illegalen Aufenthaltern zu werden.
Roli musste ein Gesuch um Verlängerung seiner Aufenthaltsbewilligung einreichen, zusammen mit Kopien von Bankauszügen, einem Versicherungsausweis UND EINER BEGRÜNDUNG für die Verlängerung. Die Verlängerung bis zum 28. Juni kam postwendend. Super!

Schon bald aber teilte uns die Lufthansa mit, dass auch der Flug am 28. Juni gestrichen sei … Also wurden wir wieder beim Migrationsamt vorstellig. Um die Sache nicht kompliziert zu machen und die Angestellten des Migrationsamtes nicht unnötig immer wieder mit Arbeit einzudecken, stellten wir ein Gesuch um eine BEDINGT BEFRISTETE Aufenthaltsverlängerung bis Ende Jahr. Bedingt und befristet in dem Sinn, dass wir subito abreisen würden, sobald die Lufthansa Panamá wieder anfliegen würde … Herr Fasel teilte uns umgehend – und ganz nett – mit, zuerst telefonisch und dann auch noch schriftlich über zwie Seiten A4, dass er das nicht machen könne. BERN habe den kantonalen Behörden verboten, weitere Aufenthaltsverlängerungen zu erteilen. Zumal Herr Alvarado sowieso in einer Alterskategorie sei, in der wir in der Schweiz eh‘ schon zu viele Personen hätten … und da der Bund die Alterspyramide unter anderem auch über die Aufenthaltsbewilligungen steuere usw. usw. …. müsse er das Gesuch leider ablehnen.

Was nun?!? – „Also gut, Herr Fasel, dann sagen Sie mir jetzt aber bitte, was wir tun sollen. Wir möchten auf jeden Fall vermeiden, hier zu illegalen Aufenthaltern zu werden.“ – „Nichts,“ sagte Herr Fasel zu meiner grossen Überraschung, „solange Sie nicht reisen können, müssen Sie gar nichts unternehmen. Sie müssen lediglich bei der Ausreise den Migrationsbehörden in Frankfurt erklären, warum Sie nicht früher ausgereist sind.“ – Hä?!? Naja, wenn das so ist: „Vielen Dank, Herr Fasel, für diese Information.“

Die LUFTHANSA vertröstete uns schliesslich auf den 28. März 2021. Im Winterflugplan 20/21 sei die Destination Panamá (PTY) definitiv gestrichen. – Nun gut, da wir ja nichts zu befürchten hatten, stellten wir uns darauf ein.

Etwas ‚gschmuuch‘ wurde aber wieder, als wir DURCH ZUFALL VON FREUNDEN, nicht etwa von der Lufthansa, erfuhren, dass die Lufthansa auch am 28. März Panamá nicht anfliegen würde. Auf jeden Fall nicht die Strecke Frankfurt-Panamá direkt, was wir gebucht hatten. Auf Anfrage erhielten wir die Auskunft, dass es eine Verbindung via Bogotá geben würde: Zürich-Frankfurt-Bogotá-Panamá mit AVIANCA und einer Übernachtung in Bogotá … oder Zürich-Frankfurt-Newark-Miami-Panamá mit AMERICAN, eine nahezu unendliche Reise mit zwei Zwischenlandungen in den USA. Nein danke! Da LH uns nun aber eine Möglichkeit angeboten hatte, konnten wir nicht länger im Schengenraum bleiben, ohne Schwierigkeiten bei der Ausreise (oder bei der nächsten Einreise) zu riskieren.

Wir stellten deshalb einen Antrag auf Rückerstattung des Ticketpreises und buchten einen Flug Zürich-Madrid-Panamá mit IBERIA. Die Flugzeiten waren deutlich besser als jene bei Lufthansa, und der Flug von Madrid nach Panamá ohne Zwischenlandung, sodass wir uns spontan fragten: „Warum haben wir das eigentlich früher nie gemacht?“ Da wir „one way“ buchen mussten, und bezüglich der Reisedaten nicht sehr flexibel waren, war der Preis allerdings fast fünfmal so hoch wie der Betrag, den die LH uns für die nicht angetretene Odysse zurückerstattet hatte. Wir hatten jedoch keine Wahl mehr und buchten einen Flug für den 27. März 2021.

Am 27. März, einem Samstag, brachte uns mein Neffe Daniel zum Flughafen. Alles verlief soweit planmässig, einfach viel zügiger als üblich. Es war seltsam. Der Flughafen war fast leer, und die Gepäckkontrolle eher ‚grosszügig‘. Da wir wegen der Pandemie grossen Wert auf Abstand legten, hatten wir einen Flug in der Business-Klasse gebucht und hofften, dass wir die Wartezeit in einer VIP-Lounge verbringen könnten. Fehlanzeige! Alles geschlossen 🙂 – Auch egal. Es hatte ja fast keine Passagiere am Flughafen.

Boarding und Abflug fanden mit einer leichten Verspätung von ungefähr 20 Minuten statt, aber sonst problemlos. Da es in Zürich keine Passkontrolle gab, gingen wir davon aus, dass wir das Migrationsprozedere in Madrid durchlaufen müssten, so wie wir das jeweils in Frankfurt tun mussten, wenn wir mit Lufthansa reisten. Der Flughafen Madrid-Barajas ist ziemlich weiltäufig, und da die Umsteigezeit dort planmüssig gerade einmal zwei Stunden betrug, und jetzt sogar noch 20 Minuten weniger, vertrödelten wir beim Aussteigen keine Zeit und steuerten zielstrebig und dirket auf das Gate für den Weiterflug zu, um nichts zu riskieren. Zu unserer grossen Überraschung standen wir 10 Minuten später bereits dort. Unsere Pässe, die wir die ganze Zeit in den Händen hielten, um bei der Passkontrolle keine Zeit zu verlieren, wollte NIEMAND sehen. Es gab gar keine Passkontrolle! Nichts. Nada! Das einzige, was die sehen wollten, waren ein negativer Corona-Test und das Ticket für die Strecke MAD-PTY.

Da auch am Flughafen in Madrid nichts los war, konnten wir schon bald einmal einsteigen. In der Zwischenzeit war es gegen 16 Uhr. Wir hatten nicht gefrühstückt und hofften, dass wir an Bord bald einmal etwas bekommen würden. Bei LH hätte es spätestens jetzt etwas zu trinken gegeben, einen Prosecco oder so, vor allem, weil wir ja mindestens noch eine halbe Stunde Zeit bis zum Abflug hatten. Nichts. Naja, ist ja egal, dann wird wohl kurz nach dem Start, so wie sich das in der Business-Klasse gehört, bald einmal en Häppchen serviert. Tja, schön wär’s gewesen! Die Crew der IBERIA liess ich Zeit und servierte erst nach etwa 2 Stunden zum ‚Mittagessen‘ einen Drink. Ja, richtig gesehen, EINEN, d.h. EIN Glas Wein oder EIN Bier und dazu Wasser, aber danach gar nichts mehr. Nur gerade zum Essen gab’s EINEN Drink! EINEN.

Bei anderen Airlines gibt es auf Langsteckenflügen ab der Premium Economy-Klasse aufwärts eine Menukarte, damit die Passagiere vorgängig auswählen können, was sie gern zu essen hätten. Das ist sehr angenehm, weil die mündliche Kommunikation in Flugzeugen wegen dem Motorenlärm meist stark erschwert ist. Hier gab’s nichts dergleichen. Und da die Flightattendants zudem Masken trugen, hatten wir auch keine Chance, um von ihren Lippen lesen zu können und so zu verstehen, was sie uns ‚verkaufen‘ wollten. So kam es, dass ich schliesslich ein vegetarisches Menu vorgesetzt bekam: Blumenhohl an einer Curry-Sauce. Nun gut. Warum nicht. Gut zubereitet könnte das vielleicht sogar schmecken. Ich mag ja grundsätzlich Blumenkohl und ich mag auch Curry. Und heikel bin ich auch nicht. Aber ich habe es fast unberührt wieder zurückgegeben. Ungeniessbar!

Glücklicherweise hatte ich die Biografie des Unternehmers Klaus J. Jacobs dabei „Der Jacobs Weg“, die mir Kris vor ein paar Wochen geschenkt hatte. In diese Lektüre vertieft, die sich übrigens wie ein Krimi liest, ist die Zeit wortwörtlich im Flug verstrichen.

Der Flug von Madrid nach Panamá dauerte 10 Stunden. Auf die zweite Mahlzeit, eine Pasta nach ca. 8 Stunden Flugzeit, habe ich wohlweislich verzichtet. Von anderen Passagieren habe ich nachträglich erfahren, dass das kein Fehler war.

Fazit: Obwohl die Abflug- und Ankunftszeiten des IBERIA-Fluges gegenüber dem Fluplan der Lufthansa deutlich vorteilhafter sind, werden wir gern wieder mit dem Kranich fliegen, falls dieser den alten Flugplan wieder aufnimmt, selbst wenn das bedeutet, dass wir bereits am Vorabend zum Flufhafen und ein Hotel buchen müssen, weil es so früh am Morgen keine Verbindung mit dem ÖV gibt, um rechtzeitig dort anzukommen.

In Panamá angekommen, staune ich, wie gut die die Pandemie im Griff haben. Zu Beginn war Panamá ja weit schlimmer dran als wir in der Schweiz. In der Zwischenzeit hat sich das aber geändert. Die Massnahmen sind zwar viel drastischer als in der Schweiz, aber alle halten sich daran, auch im Freien, und niemand jammert. Dafür liegt der der R-Wert bei 0.9 (rückläufig!) und die Restaurants sind wieder geöffnet.

Am Eingang jedes Geschäfts steht ein Kontrolleur, der dafür sorgt, dass jeder Kunde die Hände desinfiziert und die Temperatur misst, bevor er eintritt. Pandemiekontrolle in Panamá
Es ist eindrücklich, wie effizient dieses Land gegen das Virus vorzugehen gewillt ist. Und vor allem macht mir Eindruck, dass hier niemand jammert oder protestiert … die Frustrationsschwelle scheint weit höher zu sein als in der Schweiz. Proteste wie in Liestal und in St. Gallen, oder Coronaverniedlicher wie Roger Köppel oder Thomas Matter hätten hier – zumindest gegenwärtig – keine Chance.

Am kommenden Mittwoch bekommt Roli übrigens seine erste Impfung, nachdem er bereits drei Einladungen absagen musste, weil er noch in der Schweiz war …

Wer erbt den Einfluss auf die SVP?

Wer gewinnt den Wettbewerb im „Dumm Schnurre“?

Christoph Blocher, SVP, wird aus der Position des Leithammels verdrängt. Einmal pro Woche geifert und sabbert er zwar noch auf seinem hauseigenen BLOCHER TV, verliert dort aber immer wieder den Faden und macht sich damit selbst zum Affen.

Wohl aus Respekt vor seinem Alter (oder vor seinem Reichtum?) sagt ihm offenbar niemand aus seinem Umfeld, wie peinlich seine ‚Interviews‘ mit Matthias Ackeret in der Zwischenzeit geworden sind. Seine Herde aber hat Blocher längst verloren.

Die SVP-Basis folgt jetzt aber auch nicht etwa treu ihrem neuen Präsidenten, Marco Chiesa, der Albert Rösti endlich aus seiner peinlichen Präsidentschaft (2016-2020) erlöst hat, sondern auf ein paar andere, fragwürdige Individuen, die allesamt vom gegenwärtigen Führungs-Vakuum profitieren, um ein möglichst grosses Stück vom Einfluss Blochers auf die SVP erben zu können. Chiesa ist nur ein temporärer Platzhalter an der Spitze der Partei, genauso wie es Rösti auch war. Useful Idiots, würde man in den USA wahrscheinlich sagen. Sollen sie doch glauben, sie hätten eine wichtige Rolle an der Spitze der Partei, die Macht und den Einfluss haben andere …

Wer erbt den Einfluss Blochers auf die SVP?

Seit Christoph Blocher sich Schritt für Schritt aus der aktiven Politik zurückzieht, drängen sich gleich mehrere fragwürdige Figuren in den Vordergrund, alle ganz scharf darauf, Blochers Einfluss auf die SVP zu erben. Man darf gespannt sein, wer das Vakuum mit „dumm schnurre“ zu füllen vermag …

  • Roger Köppel findet, ernsthaft(!), man müsse mehr „umemuule“ und „dumm schnurre“,
  • Thomas Matter suggeriert, ohne Frauenstimmrecht wäre Hitler nicht an die Macht gekommen, und
  • Thomas Aeschi meint, wenn wir mehr testen, dann stecken sich auch mehr Bürgerinnen und Bürger mit COVID-19 an …

Und alle drei halten sich offensichtlich für überdurchschnittlich intelligent. – Guet Nacht am Sächsi!

Stur, verbohrt und uneinsichtig …

Eine Art Bischof Haas der Politik

Von Montag bis Freitag lädt Köppel unter dem Titel Weltwoche Daily jeden Morgen ein Video auf YouTube hoch.

Ich möchte verstehen, was ihn und andere ultrarechte Exponenten der SVP antreibt, mit missionarischem Eifer abstruse Behauptungen und Theorien, bis hin zu waschechten Verschwörungstheorien, im Internet zu verbreiten.

Deshalb schaue ich mir Köppels Videos regelmässig an, in letzter Zeit sogar fast täglich. Zu diesem Zweck habe ich seinen Kanal abonniert. Damit bin ich zwar einer seiner gut 32’000 Follower, aber weit davon entfernt, einer seiner Anhänger zu sein.

Nebst dem Kanal von Köppel habe ich auch die YouTube-Kanäle von SVP-Politikern wie Thomas Matter und Christoph Blocher abonniert, und ich verfolge aufmerksam, was Thomas Aeschi, Andreas Glarner, Magdalena Martullo-Blocher und zum Beispiel Esther Friedli oder Toni Brunner von sich geben.

Um all diese Informationen einordnen zu können, höre ich selbstverständlich auch Politikern aller anderen Parteien aufmerksam zu, wenn sie sich vernehmen lassen. Dabei kann ich mich des Eindrucks nicht verwehren, dass die SVP sich immer weiter nach rechts bewegt und dass sie im Begriff ist, die Parteienlandschaft in nur gerade zwei Bereiche aufzuteilen: die SVP auf der einen Seite, und alle übrigen auf der anderen. Eine Zweiparteienlandschaft sozusagen. Da drängt sich der Vergleich mit den USA regelrecht auf. Die Republikaner auf der einen Seite, in deren Augen alle Nicht-Republikaner Linke sind und die sie von einem gemässigten Biden bis hin zu Bernie Sanders allesamt über ein und denselben Leisten schlagen und sie gern, ohne auch nur einen Hauch von Differenzierung, als Sozialisten und Kommunisten beschimpfen, deren höchstes Ziel es sei, die USA zu zerstören.

Nun aber wieder zu Köppel. Warum lege ich den Fokus heute auf ihn, und nicht auf Matter, Blocher, Brunner, Glarner, Aeschi und wie sie alle heissen?

  • Köppel ist am aktivsten. Er veröffentlicht von Montag bis Freitag jeden Morgen ein potenziell gefährliches Propagandavideo und überschüttet darin seine politischen Gegner mit ehrverletzenden, beleidigenden und rufschädigenden Behauptungen. Das verurteile ich aufs Schärfste.
  • Er verbreitet Verschwörungstheorien übelster Art, mit der Absicht, seine Gegner als subversive Feinde der Demokratie darzustellen. Das erinnert an Trump.
  • Nachdem der grösste Teil seiner Parteigenossen sich endlich wieder vom Narrativ distanziert, dass Alain Berset oder der Bundesrat als Ganzes in der Schweiz eine Diktatur errichtet habe (und für immer zu etablieren versuche), wiederholt er diese absurde Behauptung weiterhin gebetsmühlenartig.
  • Köppel hat mehr als 32’000 Follower auf seinem YouTube-Kanal, die ihm teilweise vorbehaltlos zujubeln.
  • Köppel wiegelt auf und schürt den Hass seiner Anhänger gegen alles, was nicht der SVP-Bibel entspricht. Er ist der Bischof Haas de Politik.
  • Er polarisiert. Es gibt nur noch die SVP und alle anderen. Die SVP ist gegen alle oder, so wie er es sieht, alle sind gegen die SVP
  • Köppel definiert die Ehe als Arbeitsteilige Gefühls- und Zweckgemeinschaft mit dem Ziel, Kinder zu zeugen und zu erziehen. Ein Ehepartner soll das Geld nach Hause bringen und der andere die Kinder erziehen. Na bravo!
  • Köppel sagt: „Wenn der Bundesrat etwas beschliesst, dann muss die Opposition selbstverständlich dagegen sein.“ Wie dumm ist denn diese Aussage!
  • Kritisieren definiert er (wörtlich!) als „umemuule und dumm schnurre“. Von konstruktiver Kritik scheint er noch nie etwas gehört zu haben.
  • Köppel will nicht bloss die Leitlinien für die SVP festlegen. Er masst sich auch an, etwa der FDP und der MITTE oder sogar der KIRCHE vorzubeten, was sie zu tun hätten, um erfolgreich zu sein. Mit anderen Worten: er weiss nicht bloss alles, nein, er weiss sogar alles besser! Eingebildet oder arrogant? Aber nein doch! Die anderen sind in seinem Augen offenbar einfach alle blöd … und er ist der erleuchtete Heilsbringer.
  • Köppel besitzt die Gabe, blitzschnell Gedanken oder Begriffe (nicht Überlegungen!) miteinander zu verknüpfen. Daraus entstehen dann etwa durchaus amüsante Wortschöpfungen und blumigste Schilderungen von scheinbaren Zusammenhängen, die gar keine sind. Die Massnahmen des Bundesrates zur Eindämmung der Pandemie bezeichnet er zum Beispiel als zwinglianisch-talibanesk, die Berichterstattung der Medien (damit sind immer alle ausser der Weltwoche gemeint) als Mainstream-Tsunami … Diese blumige Fantasie ist es, die Roger Köppel auf den ersten Blick als intelligent erscheinen lässt. Zudem blabbert er meist ohne Punkt und Komma und lässt sich völlig unstrukturiert und unreflektiert von einem Gedanken zum andern tragen. Dem Zuhörer bleibt gar keine Zeit, Köppels Äusserungen während dem Anschauen der Videos zu hinterfragen. Nur wer sich Zeit nimmt und die Äusserungen Köppels danach genauer anschaut, indem er sie vielleicht aufschreibt und hinterfragt, der merkt schnell, dass die Verknüpfung seiner Gedanken meist sehr oberflächlich ist und lediglich darauf abzielt, die niederen Instinkte seiner Anhänger zu befriedigen und eine negative Stimmung gegen seine politischen Gegner zu erzeugen. Er appelliert an Streitsucht, Schadenfreude und Neid. Es sind keine tiefgründigen Überlegungen. Biertischpolitik in Reinform. Oder Trudi Gerster für ‚erwachsene‘ Kinder.
  • Manchmal zitiert und interpretiert er die Bibel. Das ist ja grundsätzlich nicht negativ. Neulich hat er in einer Art Wort zum neuen Tag den Sündenfall, die Vertreibung aus dem Paradies, interpretiert. Unter anderem sagt er da, die Schlange hätte Eva (nicht Adam) verführt, weil sie wahrscheinlich gemerkt habe, dass Frauen leichter beeinflussbar seien … Haha! Witzig. – Und: Ein Glücksfall sei die Vertreibung gewesen, meinte er. Endlich hätten Adam und Eva sich nicht weiter in ihrem Paradies langweilen müssen. Zwar würden sie seither Schmerz und Leid empfinden und müssten im Schweisse ihres Angesichts ihr tägliches Brot verdienen. Dafür würden sie aber auch Befriedigung empfinden und müssten sich jetzt eben nicht mehr in einem Paradies langweilen, weil sie eh schon alles hätten. Bis hierher fand ich das eigentlich ganz amüsant, nicht meine Ansicht natürlich, aber amüsant. Als dieser Glücksfall dann aber als Argument für die Reduktion finanzieller Unterstützung für wegen der Pandemie in Not geratene Kunstschaffende herhalten musste, verlor ich den Faden … Wie war das jetzt? Sollten Kunstschaffende den durch die pandemiebedingten Massnahmen erlittenen Verlust ihres Einkommens jetzt etwa als Glücksfall betrachten? – Als Einführung eines bedingungslosen(!) Grundeinkommens hat Köppel eine vorgeschlagene Entschädigung in der Höhe von ca. 9000 Franken für drei Monate bezeichnet (gedeckelt bei ca. 9000 CHF und zeitlich begrenzt auf Dezember 2020 bis Februar 2021. Also im besten Fall etwa 3000 CHF pro Monat – wahrhaft paradiesische Zustände, nicht wahr?
  • Die Medien und die Journalisten bezeichnet Köppel durchs Band als obrigkeitshörig und unkritisch, als Plattform oder Sprachrohr für Sozialisten und Linke. Aus seiner Sicht wird das wohl so sein. Für den, der in der ganz äussersten rechten Ecke sitzt, ist selbstverständlich alles andere neben ihm links … rechts von ihm gibt es ja gar nichts mehr. Gegenwärtig verbreitet Köppel im Brustton der Überzeugung die Idee, die FDP und die Mitte (ehemals CVP) würden sich billig dem rot-grünen Flügel anbiedern und damit automatisch zu den Verlierern gehören, und sogar einige Mitglieder seiner eigenen Partei, der SVP würden da mitmachen. Darauf, dass nicht alle anderen falsch liegen, sondern er der Fehlgeleitete sein könnte, kommt er nicht. Selbstkritik ist nicht seine Stärke.
  • Ich schaue mir nicht bloss Köppels Videos an, mit denen er die Stimmung aufheizt, sondern auch die Kommentare, die seine Anhänger auf seinem Kanal hinterlassen. Schockierend! Auch hier sind die Parallelen zu den aufwiegelnden ‚Hasspredigten‘ der Republikaner in den USA nicht zu übersehen.
  • Nachdem alle SVP-Propagandisten über alle Kanäle das Narrativ von der Diktatur verbreiteten, überschrieb eine Zeitung einen diesbezüglichen Artikel mit DIE SVP SCHLÄGT UM SICH. Das fand Köppel absolut daneben. Bitter beklagte er sich darüber, dass jetzt kritisieren und die Freiheit verteidigen als um sich schlagen bezeichnet werde. Im gleichen Absatz erzählte er, der Bundesrat schlage mit seinen Massnahmen einen grossen Teil der Bevölkerung, und die verteidige sich nicht einmal. Eine Journalistin überschrieb ihren Beitrag zum Thema Corona-Massnahmen mit MIT ZUCKERBROT UND PEITSCHE. Dieser Journalistin unterstellte der Psychologe Köppel nach seiner gründlichen Analyse, sie sei wahrscheinlich masochistisch veranlagt und sehne sich nach einer Peitsche. – Diese Unterstellung sagt vermutlich mehr über Köppel und seine heimlichen (unheimlichen) Fantasien aus als über die Journalistin.
  • Seine neueste Theorie: das Versagen des Regierung (nach seiner ‚Analyse‘) sei darauf zurückzuführen, dass die Schweiz keine richtige Armee mehr habe. „… Weil die Linken die Armee sturmreif geschossen haben, und weil die Bürgerlichen es zugelassen haben, dass die Linken die Armee sturmreif geschossen haben, haben wir heute diesen Salat in der Corona-Pandemie. …“ „In dieser Armee waren alle Offiziere, waren alle Führungskräfte, wurde einem sozusagen der vaterländische Geist eingeimpft: Unabhängigkeit, Opferbereitschaft, Verteidigungswillen, und selbstverständlich musste diese Zitadelle des schweizerischen Freiheitsdenkens, die musste von den Linken sturmreif geschossen werden, am besten abgeschafft werden, denn wenn man die Armee einmal aus dem Weg hat, dann kommt in der Schweiz alles ins Fliessen. Und das ist meine Theorie – ich habe viele Theorien – aber das ist meine Theorie.“ Nun, das darf er meinetwegen so sehen, auch wenn ich diese Theorie für ziemlich abstrus halte und ihm vorwerfe, dass er in der vordersten Reihe gegen alle bundesweit geltenden Massnahmen kämpfte, die der Bundesrat zur Eindämmung der Pandemie beschloss, und in seinem Freiheits- und Eigenverantwortungswahn lieber 26 verschiedene Strategien gesehen hätte, möglichst nicht untereinander abgesprochen und schon gar nicht mit dem Ausland synchronisiert.

Das sind ein paar der unzähligen Gründe, weshalb ich den Fokus heute ausgerechnet auf Roger Köppel lege. Seit ich ihm regelmässig zuhöre, entdecke ich jeden Tag mehr Hinweise darauf, dass er nicht halb so intelligent ist, wie ich ihn einst einschätzte.

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Gleichstellung – für die Männer?

Katastrophales Video von Thomas Matter, SVP

Manchmal ist es echt schockierend, zu sehen und zu hören, wie unbedarft selbst Bundes-Parlamentarier daherreden. Eigentlich dürfte man doch erwarten, dass sie – egal welcher Partei sie angehören – wenigstens ein gewisses Niveau hätten. Weit gefehlt! Auf jeden Fall, wenn es um Parlamentarier wie Thomas Matter, Andreas Glarner und Roger Köppel geht.

Nachdem das primitive und aufwieglerische Narrativ von der Diktatur bei der Bevölkerung nicht so verfing, wie es sich die Familie Blocher und Herr Köppel vorgestellt hatten, versuchte es Thomas Matter nun mit einem an dieses Schauer-Märchen angelehnten Theorie.

In seinem Video erzählt Matter, die deutschen Frauen hätten das Stimmrecht schon 1919 bekommen, und dann sei Hitler an die Macht gekommen. Als ob das eine logische Folge des Frauenstimmrechtes gewesen wäre. Matter sagt zwar nicht, die deutschen Frauen hätten Hitler gewählt, aber er suggeriert es. Überdeutlich. Danach erwähnt er die Schweiz und dass die Schweizerinnen damals das Stimmrecht noch nicht gehabt hätten. Stolz ‚erklärt‘ er, es seien die Schweizer Männer gewesen, die damals die Schweiz aus dem Schlamassel herausgehalten hätten und suggeriert damit natürlich gleich wieder, dass das dem fehlenden Stimmrecht der Frauen zu verdanken sei. Im Anschluss richtet er die suggestive Frage an die Frauen: „Wo hättet ihr damals lieber gelebt? In Deutschland oder in der Schweiz?“

Während Matter in religiösem Eifer diesen Schwachsinn von sich gibt, blendet auf dem Whiteboard in seinem Bildschirm schamlos ganz beiläufig das folgende Plakat ein:

Dann beschwört er seine Follower, jammert ihnen vor, dass die Männer endlich auf die Hinterbeine stehen müssten, weil sie nämlich eindeutig benachteiligt seien. Frauen würden mit 64 pensioniert, nicht mit 65 wie die Männer, und das obwohl Frauen – statistisch erwiesen – eindeutig länger lebten als Männer … und Frauen müssten keinen Militärdienst leisten. Das sei ungerecht.

In diesen Umständen liegt tatsächlich eine gewisse Ungerechtigkeit – zugunsten der Frauen. Das streitet wohl niemand ab. Da gibt es noch Verbesserungspotential bei der Umsetzung der Gleichberechtigung.

Was Matter aber nachher noch von sich gibt, ist so abstrus, dass ich kaum glauben kann, dass der Mann die obligatorische Schulzeit abgeschlossen hat. In der Schweiz seien 75% der Frauen berufstätig, prahlt er, das seien mehr als in allen anderen europäischen Ländern. Damit, dass wir diese Rangliste anführen, hat er vielleicht recht. Wir liegen prozentual aber ungefähr gleichauf mit Deutschland, und dahinter kommt gleich eine ganze Reihe anderer Länder, die nur minim hinter unseren 75% zurückliegen. Das ist aber alles gar nicht so wichtig. Wichtig ist, dass Matter damit von der Tatsache ablenkt, dass von den 75% der berufstätigen Frauen ungefähr die Hälfte Teilzeit arbeitet, mit teilweise sehr kleinen Pensen, während bei den Männern nur jeder 7. in Teilzeit arbeitet, und dann meist mit Pensen von 70-80%!

Das hat Auswirkungen auf die dereinst zu erwartenden Altersrenten. Gleichberechtigung? – Nun könnten wir natürlich sagen, die Frauen seien ja selber schuld, wenn sie sich das bieten lassen. Es verbiete ihnen ja niemand, auch 100% zu arbeiten. Das Recht haben sie, richtig, aber haben sie auch die Chance? Von Chancengleichheit hat Matter nicht gesprochen. Davon sind wir noch meilenweit entfernt. Und selbst wenn, ist es eine Tatsache, dass Frauen in vielen Bereichen, wenn sie die gleiche Arbeit bekommen, für die gleiche Arbeit weniger Lohn erhalten.

Es gibt andere Bereiche. Zum Beispiel die Schule. Eine unverheiratete Lehrerin mit gleich vielen Dienstjahren wie ihr gleichaltriger männlicher Kollege, hat auf den Rappen den gleichen Lohn wie der ledige Lehrer, wenn sie nicht irgendwo durch eine Qualifikation gefallen ist. Davon können wir nun aber keine allgemeine Chancengleichheit ableiten.

Chancengleichheit wird nicht vor dem Gesetz erwirkt, sondern in unseren Köpfen. Es ist deshalb wichtig, dass Männer UND Frauen sich zusammensetzen und GEMEINSAM nach brauchbaren Lösungen suchen. Gegenseitige Schuldzuweisungen, Neid und Missgunst, egal auf welcher Seite, sind nicht zielführend.

Um zu untermauern, wie benachteiligt doch die armen Männer sind, zählt Matter zum Schluss noch ein ein paar Frauen auf, die in leitenden Positionen vor allem etwa in Museen, kulturellen Stiftungen und Theatern sind. Die Hälfte der aufgezählten Frauen übt ihre Leitungsfunktion im Job-Sharing zu zweit oder zu dritt aus … Ein Mann hätte keine Chance, dort eine leitende Position zu bekommen, jammert Matter, eher würde es Goldvreneli regnen … Ich vermute: Männer bewerben sich lieber dort in leitende Positionen, wo es Millionenboni und goldene Fallschirme abzuräumen gibt. Das sagt Matter nicht.

Ganz am Schluss setzt Matter noch ganz zynisch einen obendrauf: vielleicht müsste man Quoten einführen, schlägt er vor.

Das kommentiere ich nun nicht mehr. Ich kopiere aber einen Kommentar aus seinem eigenen YouTube-Kanal an diese Stelle. Der spricht für sich:

Antonius vor 6 Tagen
Thomas Matters Helvetische Bank:
Verwaltungsrat: 4 Mitglieder, alles Männer
Geschäftsleitung: 5 Mitglieder, alles Männer

Ist Intelligenz etwas Positives?

Ja, sicher. Das glaubte ich. Jahrelang. Heute würde ich sagen: Bedingt. Es hängt davon ab, was man mit ihr anstellt.

Ich war früher ohne mir überhaupt darüber Gedanken zu machen überzeugt, dass Intelligenz etwas Positives wäre, weil ich glaubte, Intelligenz und Dummheit würden sich gegenseitig ausschliessen.

Nachdem ich aber viele intelligente Leute dummes Zeug schwatzen hörte, habe ich endlich darüber nachgedacht.

Heute weiss ich, dass Intelligenz an und für sich weder positiv noch negativ ist. Intelligenz ist eher so etwas wie ein Werkzeug, das mir hilft, gewisse Aufgaben leichter zu erledigen oder sie überhaupt zu erledigen.

Mit einem Hammer, zum Beispiel, kann ich einen Nagel einschlagen. Das positiv. Ich kann mit einem Hammer aber auch den Schädel meines Nachbarn einschlagen, und das wäre dann wohl eher negativ, nicht wahr? Das macht den Hammer nun aber weder positiv noch negativ. Er ist nur ein Werkzeug.

Mit der Intelligenz verhält es sich ganz ähnlich. Sie ist nur ein Werkzeug. Sie kann mir helfen, gewisse Aufgaben einfacher zu erledigen, oder sie überhaupt zu erledigen. Sie erlaubt mir, Zusammenhänge zu erkennen, sie in ihre einzelnen Bestandteile zu zerlegen und diese Teile oder Gedanken neu zusammenzusetzen. Daraus kann etwas sehr Positives entstehen. Oder etwas Negatives.

Nehmen wir an, ich muss einen Vertrag aushandeln

Meine Intelligenz kann mir nun dabei helfen, gute Vertragsbedingungen auszuhandeln. Ist das jetzt positiv? – Ja, vielleicht. Bedingt. Ich würde sagen, es ist ganz sicher dann positiv, wenn beide Vertragspartner einen Deal zu guten Bedingungen abschliessen können, d.h. wenn ich meine Intelligenz zugunsten aller Betroffenen einsetze. Alle sind zufrieden; der Vertrag legt den Grundstein für friedliches Miteinander. In diesem Fall hat meine Intelligenz zweifellos etwas Positives zustande gebracht.

Meine Intelligenz könnte mir jedoch auch helfen, hervorragende Bedingungen für mich, aber miserable Bedingungen für meinen Vertragspartner auszuhandeln, vor allem dann, wenn ich meinem Vertragspartner intelligenzmässig überlegen bin oder ihn (dank meiner Intelligenz) mit anderen Mitteln (Erpressung, Androhung von Gewalt, verbale Gewalt usw.) dazu bringen kann, etwas zu tun oder zu unterschreiben, was für ihn nicht gut ist. Ich ziehe in diesem Fall einen ungleich grösseren Gewinn aus dem Deal als mein Vertragspartner. Auf den ersten Blick mag das für mich zwar positiv aussehen, aber mein Vertragspartner ist wahrscheinlich unzufrieden, und der ‚Deal‘ wird über kurz oder lang zu Unstimmigkeiten führen. In diesem Fall hätte sich meine Intelligenz mit Egoismus oder Dummheit gepaart und nach meiner Beurteilung nichts Positives hervorgebracht. Auf jeden Fall nichts nachhaltig Positives.

Bei politischen Verhandlungen ist das auch so. Im Idealfall setzen sich alle an einen Tisch und handeln unter Einsatz ihrer Intelligenz einen Deal aus, der für alle akzeptabel ist. So geschehen letztes Jahr, als das Parlament dem Bundesrat zusätzliche Kompetenzen zur Bekämpfung der Pandemie erteilte.

Früher verhandelten diese Dealer relativ diskret. Heute gibt man schon vor der Verhandlung offen zu, was man will. Am deutlichsten zeigte sich das im Wahlspruch von Trump: America First! – Ist das positiv?

Eine Definition: die Fähigkeit, insbesondere durch abstraktes logisches Denken Probleme zu lösen und zweckmäßig zu handeln

Mit der Frage, wie Intelligenz definiert wird, beschäftigen sich Wissenschaftler seit Langem – eine einzige, allgemeingültige Antwort darauf gibt es aber nicht. Der Begriff stammt vom lateinischen Wort „intellegere“ ab und bedeutet einsehen, verstehen oder begreifen. Intelligenz umschreibt die Fähigkeit, sich in neuen Situationen zurechtzufinden und Aufgaben durch Denken zu lösen. Es geht also um die kognitive Leistungsfähigkeit eines Menschen. ….

…. Einig sind sich Wissenschaftler darüber, dass die Intelligenz von den Genen beeinflusst wird. Besonders in der Kindheit spielt die Veranlagung eine große Rolle, im Erwachsenenleben wächst der Einfluss äußerer Faktoren, also zum Beispiel der familiäre und kulturelle Einfluss.

Was ist Intelligenz? | NDR.de – Ratgeber – Gesundheit

Auf meine Frage aber, ob Intelligenz etwas Positives sei, gibt keine der Definitionen, die ich gefunden habe, eine Antwort. Also muss ich selber weitersuchen.

Seit 2010 gibt es in der Schweiz ein Epidemiegesetz. Das ist ein Vertrag, der regelt wie im Fall einer Epidemie oder einer Pandemie die Aufgaben und Kompetenzen zwischen Bund und Kantonen aufgeteilt werden sollen.

Am 25. September 2020 beschloss DIE BUNDESVERSAMMLUNG das Gesetz über die gesetzlichen Grundlagen für Verordnungen DES BUNDESRATES zur Bewältigung der COVID-19-Epidemie (COVID-19-Gesetz). Das Gesetz wurde für dringlich erklärt und am 26. September in Kraft gesetzt. Vereinfacht ausgedrückt erhielt der Bundesrat durch dieses Gesetz stark erweiterte Kompetenzen, d.h. er kann seither temporär unter gewissen Voraussetzungen über stark verkürzte Wege Verordnungen erlassen, ohne diese vorher vom Parlament oder von der Bevölkerung absegnen zu lassen. Dies trägt dem Umstand Rechnung, dass der BR in einer Krise die Führungsverantwortung übernehmen und schnelle Entscheide treffen muss.

Das COVID-19-Gesetz ist das Resultat, welches die Mitglieder der Bundesversammlung unter Zuhilfenahme ihrer (Schwarm)Intelligenz zustande gebracht haben. Positiv? Ich denke schon.

Nun müssen wir uns aber vor Augen halten, dass, selbst wenn die Bundesversammlung dieses Gesetz demokratisch beschlossen und in Kraft gesetzt hat, nicht alle Mitglieder der Bundesversammlung damit einverstanden waren.

Als Schwarmintelligenz bezeichnet man übrigens das Verhalten beispielsweise von Fischen oder Vögeln in grösseren Schwärmen, die koordiniert wie ein perfekt choreografiertes Ballett gemeinsam die Richtung wechseln, ohne dass es zu Zusammenstössen kommt. Aber auch in diesen Schwärmen gibt es Abweichler, die dem Schwarm nicht folgen wollen. Es gibt sogar eine Art Faustregel, die besagt, dass wenn 5 bis 7 Tiere sich vom Schwarm lösen, eine grosse Wahrscheinlichkeit besteht, dass diese einen neuen, eigenen Schwarm bilden und anführen.

So etwas Ähnliches passiert gegenwärtig in der Politik. Während am Anfang (fast) alle dem Schwarm folgten, gibt es jetzt ein paar Abweichler, die einen neuen Schwarm zu bilden versuchen. Und es sieht ganz so aus als könnte es ihnen gelingen. Allen voran ziehen lautstark hochrangige Politiker der SVP. Sie behaupten, dass sie vom Bundesrat nicht gehört würden. Das ist natürlich nicht wahr. Bei dem Lärm, den sie verursachen werden sie sehr wohl gehört. Aber ihre Argumente sind zu schwach und ihre Forderungen zu radikal, sie werden deshalb nicht erfüllt. Gestern hörte ich sogar Petra Gössi von der FDP sagen: „Wir werden nicht gehört.“ Das ist natürlich Mumpitz! Aber sie scheint sich dem neuen Schwarm anschliessen zu wollen und verwendet – welch eine Enttäuschung! – die gleiche Rhetorik wie die populistischsten Exponenten der SVP. Schade. Ich halte Petra Gössi sonst eigentlich für eine selbständig und meist vernünftig denkende Politikerin.

Selbstgefällige, populistische Parteigrössen – auch intelligente – neigen dazu, ihre Anhängerschaft in den Abgrund zu führen

Der neue Schwarm investiert nun seine ganze Intelligenz in den Versuch, Druck auf den Bundesrat auszuüben, damit dieser die Corona-Massnahmen dem Geschmack des abtrünnigen Schwarms anpasst. Ist das intelligent? Ich glaube nicht. Während der Bundesrat sich gründlich mit dem Problem auseinandersetzt und seine Entscheide auf die Empfehlungen eine Taskforce abstützt, die ihn laufend mit wissenschaftlichen Facts und neuen Erkenntnissen beliefert, rennen die Zwängler stumpfsinnig blökend hinter ihrem Leithammel her gegen die Wand und versuchen der wissenschaftlichen Taskforce den Mund zu verbieten. Positiv? Wohl kaum.

Meine Frage ist beantwortet.

Folgerung: Wenn Intelligenz mit Weisheit und Empathie gepaart ist, dann darf sie in den meisten Fällen als etwas Positives angesehen werden.

Paart sich Intelligenz aber mit Dummheit, mit Bosheit oder mit grenzenlosem Egoismus statt mit Empathie und Weisheit, dann wird sie brandgefährlich und könnte negativer nicht sein.

Die Schweiz, eine Demokratie oder eine Diktatur?

Neuerdings höre ich Vertreter einer grossen Schweizerischen Partei auf verschiedenen Plattformen lauthals und in fetten Lettern verkünden, der Bundesrat sei auf dem direkten Weg, unsere Demokratie in eine Diktatur überzuführen. Oder noch schlimmer: die Schweiz sei bereits eine Diktatur. Alain Berset habe die Pandemie ausgenützt, um die Demokratie auszuhebeln.

„Echt jetzt? Die Schweiz eine Diktatur?“ fragt Arthur Honegger auf seinem Twitter-Account.

In der Nachrichtensendung 10vor10 hat Honegger neulich Thomas Aeschi mit dem Thema konfrontiert, und Aeschi hat doch tatsächlich vor laufender Kamera wiederholt, Alain Berset sei zweifelsfrei ein Diktator. Zwar hat man deutlich gespürt, wie unwohl ihm dabei war, als Honegger ein paar kritische Fragen stellte, aber Aeschi hat wahrscheinlich nicht gemerkt, wie lächerlich er sich mit seiner Äusserung machte. Hauptsache, der Parteilinie treu bleiben!

Den gleichen Unsinn haben in den letzten Tagen auch Aeschis Parteikollegen Thomas Matter, Toni Brunner und Christoph Blocher usw. bei jeder Gelegenheit geäussert, im Brustton der Überzeugung. Gleiche Rhetorik, gleiche Wortwahl, gleiche Begründungen und Vergleiche … Das scheint ein neues Kapitel in der Parteibibel zu sein, welches es intensiv-missionarisch zu verbreiten gilt, und zwar so lange, bis es alle glauben. Gaslighting nennt man das in den USA, wo es in den vergangenen vier Jahren unter Trump – bis zur Erstürmung des Capitols durch einen aufgehetzten Mob – erfolgreich praktiziert wurde

Nun gut, Amerika ist weit weg. Aber trotzdem: Sollten wir beunruhigt sein? Roger Köppel will in seiner Ausgabe von ‚Weltwoche Daily‘ vom 26.2.2021 immerhin alle Follower seiner täglichen Videokommentare auf YouTube davon überzeugen, dass wir schon soweit sind. Ja, wir sind bereits in einer Diktatur, verkündet er. Er ist sich nicht zu schade, dafür Beispiele wir Deutschland um 1933 zum Vergleich heranzuziehen, oder Russland und China, deren Herrscher wenigstens zugeben würden, dass sie Diktatoren seien, während unser Bundesrat und Alain Berset dies abstritten.

Roger Köppel meinte in seinem Videokommentar, Demokratie bedeute, dass man ‚umemuule‘ und ‚dumm schnuure‘ müsse. Das sei das Zentrale an einer Demokratie, und wenn der Bundesrat etwas beschliesse, dann sei es selbstverständlich, dass ein richtiger Demokrat dagegen sein müsse … Hä? Aha, ja, jetzt verstehe ich endlich, warum Köppel immer so ‚dumm schnurret‘.

Was meinst du? Sind wir in einer Diktatur? Riskieren wir, dass der Bundesrat die Demokratie aushebelt?

Schau dir Köppels Video an! Vielleicht solltest du aber vorher ein Valium schlucken.

Den Herren Blocher, Köppel, Matter, Glarner, Mörgeli, Brunner usw. empfehle ich eine Selbsthilfegruppe zu bilden und sich im Albisgüetli unter der Leitung eines erfahrenen Nervenarztes zum gegenseitigen Wunden Lecken und zur Selbstbeweihräucherung zu treffen.

Ist intelligent = gescheit?

Politik war Zeit meines Lebens als aktives Mitglied der ‚Werktätigen Jugend‘ eigentlich kein Thema. Leider. Das hat vielleicht damit zu tun, dass Politik schon in meinem Elternhaus keine Rolle spielte, und ich deshalb nie ‚politisiert‘ wurde. Vielleicht. Aber wahrscheinlich ist das bloss eine Ausrede, denn im Gegensatz zu Politik war nämlich Religion in meinem Elternhaus ein ganz grosses Thema, und ich wurde trotzdem nicht religiös. Und zwar überhaupt nicht. Da schlugen alle Versuche – es waren nicht wenige – meines Vaters Paul gründlich fehl. Das finde ich nun aber gar nicht schade.

Seit 7 Jahren bin ich pensioniert und habe Zeit und Musse, um über Wichtiges und weniger Wichtiges nachzudenken. Zu den wichtigeren Themen gehört heute – man höre und staune – das politische Geschehen! Ich habe 4 Jahre lang intensiv mitverfolgt was in den USA unter Trump geschehen ist, schaue regelmässig jede Art von Informationssendungen im Schweizer Fernsehen SRF 1 und selbstverständlich auch täglich ARD, FOX NEWS, CNN, MSNBC, NEWSMAX usw., um das Tagesgeschehen von möglichst vielen verschiedenen Seiten her beleuchtet zu bekommen und selber entscheiden zu können, was FAKE NEWS ist und was nicht. Was ich sehe, lese und höre ist erschreckend und beunruhigend.

Die Schwarz-Weiss-Demokratie in den USA hat mich noch nie begeistert. Ich beziehe schwarz-weiss dabei aber nicht auf Hautfarbe und Rassendiskriminierung (was in den USA durchaus auch ein riesen Problem ist), sondern auf das – de facto – Zweiparteiensystem: Demokraten und Republikaner, wobei es keine Rolle spielt, welche Seite die Farbe Weiss und welche den Schwarzen Peter zieht (richtig wäre sowieso Rot=Republikaner und Blau=Demokraten).

Es ist unglaublich, wie diese zwei Parteien gegenwärtig aufeinander losgehen. Trump hat die unselige Spaltung regelrecht kultiviert und das Niveau der politischen Auseinandersetzung innert 4 Jahren auf einer Skala von 1 bis 10 von sagen wir mal 5 oder 6 auf -5 (minus fünf!) heruntergedrückt. Nachhaltig. Da wird gelogen und betrogen, dass sich die Balken biegen. Hasstiraden, Verleumdungen, Schmutzkampagnen und Verschwörungstheorien füllen die Newsgefässe sämtlicher Medien randvoll. „wir können die Schweiz nicht mit den USA vergleichen,“ meinte Thomas Aeschi gestern in 10vor10, als Arthur Honegger ihn fragte, ob er nicht eine gewisse Ähnlichkeit sehe …

Die USA als Ganzes mit der Schweiz zu vergleichen, wäre wohl vermessen. Aber was die Politik angeht, fördert genaueres Hinsehen durchaus zahlreiche Parallelen zutage. Auf den ersten Blick hat Thomas Aeschi recht. Bei uns kann nach Neuwahlen keine einzelne Partei wieder alles kaputtmachen, was die anderen in mühsamen und langwierigen Diskussionen als Kompromiss erarbeitet haben. In den USA läuft das ganz anders: Trump und seine Republikaner haben möglichst viele Errungenschaften der acht Jahre von Obamas Regierung und den Demokraten durch den Schredder laufen lassen. Jetzt restauriert Joe Biden so viel wie möglich davon wieder und schmeisst dafür die zahllosen Dekrete aus Trumps 4 Jahren Chaos ins Feuer. Etwas zugespitzt könnte man sagen, in den USA gibt es nur extrem Linke und extrem Rechte, und die suchen keine gemeinsamen Lösungen, sondern nur die Zerstörung der politischen Gegner. Aber das wird der Sache nicht ganz gerecht. Da gibt es zum Beispiel einen Mitt Romney, standhafter Republikaner, mit nachvollziehbaren und ethisch vertretbaren Grundsätzen. Und bei den Demokraten würde ich sogar den gegenwärtigen Präsidenten, Joe Biden, als gemässigten ‚Linken‘ mit ebenso soliden und ethisch vertretbaren Grundsätzen bezeichnen.

Was die Sache nun aber schwierig (und mit der politischen Landschaft in der Schweiz durchaus vergleichbar) macht, das sind nicht die gemässigten Republikaner und Demokraten, also sozusagen die Politiker der Mitte, sondern die lauten Hassprediger an den extremen Enden von Links und Rechts. Sie nutzen ihre Hausmedien CNN (Demokraten), FOX NEWS und NEWSMAX (Republikaner) usw. und soziale Plattformen, um ihre Anhänger mit Halbwahrheiten, Lügen, Verschwörungstheorien und primitiven Hasstiraden gegen ihre Gegner zu füttern. Das ist gefährlich. Brandgefährlich. Am 6. Januar explodierte in den USA das Pulverfass. Ein wütender Mob erstürmte bewaffnet das Capitol, angestachelt durch Trumps Lügen bezüglich der angeblich gestohlenen Wahl, und durch eine MEHRHEIT(!) der republikanischen ‚VOLKSVERTRETER‘ im Kongress, die die gleiche Lüge verbreiteten. Und das, obwohl die MEHRHEIT DES VOLKES den Putsch auf das Capitol verurteilt. Mit anderen Worten: die meisten Volksvertreter (in diesem Fall der Republikaner) vertreten gar nicht mehr das Volk, sondern ausschliesslich ihre eigenen, egoistisch-politischen Interessen. Die grosse Mehrheit der republikanischen Repräsentanten verbreitete ungehemmt Trumps Lüge über die gestohlene Wahl, obwohl sie wussten, dass das eine Lüge war. Es half ihnen, den Pöbel anzustacheln und den Sturm auf das Capitol anzuzetteln, in der Hoffnung, die Einsetzung des neu gewählten Präsidenten zu verhindern. Das rechtfertigte nach ihrer Meinung diese Lügen.

Und genau da sehe ich gegenwärtig gefährliche Parallelen zur Rechten und zur Linken in der Schweiz. Bei uns sind es vor allem gefährliche Exponenten der SVP, die ins gleiche Horn blasen wie die extremen Republikaner in den USA. Nicht die ganze SVP ist verseucht, und auch nicht die ganze SP oder alle Grünen. Aber einige ihrer auffälligsten Exponenten (auf beiden Seiten) spielen mit dem Feuer. Arthur Honegger bezeichnete das gestern als „Zündeln neben einem offenen Benzinfass“. Ich bin nicht sicher, dass Aeschi verstanden hat, was Honegger meinte.

Auf der linken Seite (SP, Grüne) sehe ich da etwa einen Fabian Molina und eine Tamara Funiciello, die es nicht schaffen, ihre Anliegen gewinnend vorzutragen. Im Gegenteil: sie schiessen ihre Tiraden meist mit hassverzerrten Gesichtern auf ihre Gegner los, genau gleich wie beispielsweise Jacqueline Badran, die sich oft auch nicht unter Kontrolle hat. Schade. Manchmal hätten sie gute Ansätze, aber sie bringen diese auf eine so unsympathische Weise rüber, dass man ihnen lieber gar nicht zuhört. Sie beunruhigen mich aber nicht gross. Sie sind jung, naja ausser Frau Badran, und haben das Recht, ab und zu etwas über’s Ziel hinauszuschiessen. Aber die werden älter und wahrscheinlich (hoffentlich!) auch vernünftiger, genau wie Cédric Wermuth. Der war ursprünglich genauso unausstehlich, hat aber in der Zwischenzeit einiges dazugelernt und argumentiert heute oft ganz vernünftig. Ich bin nicht immer mit seinen Ideen einverstanden, eigentlich meistens nicht, aber ich schätze die reife Art, mit der er heute politisiert. Bei Funiciello und Molina hingegen sträuben sich mir die Nackenhaare, wenn ich sie nur schon sehe. Aber, wie bereits erwähnt: die Linke macht mir keine Sorgen. Übrigens: Daniel Jositsch ist auch links. Den schätze ich aber als kompromissfähigen Vertreter seiner Partei sehr.

Schlimmer und gefährlicher ist es auf der extremen rechten Seite. Da gibt es praktisch nur die SVP, die Schweizerische Volkspartei, die längst auch nicht mehr das Volk vertritt, genaus o wenig wie die Republikaner in den USA. Wie sollte ich mir sonst erklären, dass die von der SVP angezettelten Initiativen so oft vom Volk abgelehnt werden? Eben, weil die SVP am Volk vorbei politisiert! Warum merken die das nicht selber? Weil sie es gar nicht wissen wollen und ihnen ‚das Volk‘ sowieso egal ist. Die SVP hat seit der Abspaltung der BDP in allen Kantonen und auf nationaler Ebene ein rechtskonservatives bis rechtspopulistisches Profil.

Die folgenden Kommentare habe ich auf Thomas Matters YouTube-Kanal gefunden. Sie sind erschreckend ähnlich wie die Kommentare, die Trump jeweils auf seine aufwiegelnden Tweets bekommen hatte … Verschwörungstheorien, Lügen, Geschwätz und jede Menge Unsinn:

werner zuercher vor 2 Tagen Unbedingt JA stimmen! Aber nicht per Brief! Immer mehr Briefwahl, wozu die Menschen in den von Linken und Scheingrünen regierten Städten immer mehr genötigt werden, wird unsere direkte Demokratie buchstäblich mit links erledigen! Die Antifa wird die Briefstimmen vor dem Abstimmungssonntag gerne sortieren!

Peter Loos
vor 1 Tag Ich höre Ihre Stellungnahmen eigentlich gerne, und vieles teile ich mit Ihnen! Sie ignorieren aber seit über einem Jahr unser grösstes Problem! Die Ideologien von Klaus Schwab, Billgates, BigTech, Bargeldabschaffung, ÜberwachungsApp, Globalisierung, bzw. Abschaffung der Nationalstaaten und Übernahme der Grossfinanz, die dann die Bedingungen bestimmen, … also mit einem Wort: Wir leben gerade einen noch nie da gewesenen Demokratieabbau!!! Hören Sie sich mal die Rede von Ihrem Parteikollegen Weber (GB), an. (den Link kann ich nicht einfügen, aber ist nicht schwierig zu finden). Der hat es verstanden!!! – Wann wachen Sie endlich auf?

Johannes Thorstein vor 1 Woche Ich habe der Regierung und Poltik den Krieg erklärt. Da Landes- und Volksverräter.

Christiane Douschka Dudan
vor 1 Woche die korrupten BR müssen enteignet werden.

Filomena Muffins
vor 1 Woche Die Schweiz wird von den Politikern zerstört. Der Bundesrat hat seit Jahren hinter unseren Rücken der EU und der WHO und……..Zugeständnisse gemacht. Wir brauchen die 7 Bundesräte gar nicht. Alle handeln gegen uns. Jeder Bürger würde cleverer entscheiden als unsere 7 Bundesräte! Seit Jahren werden wir angelogen. Sehr traurig.

Sonja Kern
vor 4 Tagen Herr Matter, das ganze korrupte System muss neu aufgebaut werden!! Der gesamte Bundesrat muss entmachtet werden, der Vertrag mit GAVI und deren Immunität muss aufgelöst werden und wir müssen aus der WHO und UNO aussteigen!! Der ganze Sumpf muss ausgetrocknet werden ansonsten mutieren wir zu einem Entwicklungsland!! Machen Sie uns Vorschläge, wie wir das angehen können als Schweizer Bürger!

werner zuercher
vor 1 Woche Unbedingt verhindern, dass auch wir in die betrügerische Briefwahl gezwungen werden! Dazu noch die Bemühungen für die elektronische Stimmabgabe! Die undemokratischen Demokraten der USA haben gezeigt wie leicht so der Wahlbetrug zu realisieren ist!

Peter Eigenmann
vor 1 Woche Sehr guter Beitrag von Ihnen Herr Matter und Toni Brunner. Holen wir als Volk die Demokratie zurück. Überlassen wir die Schweiz nicht den Landesverrätern in Bern.

Videos wie das von Thomas Matter, das ich nachstehend kommentiere, sorgen dafür, dass dieser Hass geschürt wird und die wildesten Verschwörungstheorien verbreitet werden.

Ganz schlimm finde ich es, wenn intelligente Menschen dummes Zeug erzählen, wie zum Beispiel Thomas Aeschi. Er hat an der HSG in St. Gallen studiert und er hat zudem einen Master of Public Administration. Dafür muss man über ein bestimmtes Mass an Intelligenz verfügen, sonst geht das nicht. Aber wenn ich Aeschi zuhöre, wenn er im Fernsehen Blech schwatzt, dann frage ich mich allen Ernstes: Ist intelligent = gescheit? – Offensichtlich nicht! Thomas Aeschi hat gestern Abend mehrfach seine Idee an den Mann zu bringen versucht, Alain Berset sei ein Diktator. Honegger ist es nach einigen Anläufen schliesslich gelungen, Aeschi zu entgegnen, dass Berset doch gar nicht allein entscheidet, sondern dass der Bundesrat als Gremium Entscheide fällt und dass Berset deshalb schon von der Definition her kein Diktator sein kann. Wenn ein Schweizer Nationalrat im Fernsehen öffentlich so einem Mist erzählt, dann hat er offenbar von unserem politischen System nicht viel verstanden. Aeschi mag ja vielleicht (vielleicht!) intelligent sein, gescheit ist er aber ganz sicher nicht.

So, damit ist meine in der Überschrift gestellte Frage beantwortet: Intelligent ist NICHT gleichbedeutend mit gescheit!

AQQ – a cucú

Ich bin am vergangenen Sonntag, 26. Mai, aus Zürich via Frankfurt nach Panamá geflogen und habe in diesem Zusammenhang ein paar seltsame Situationen erlebt.

  • Angefangen hatte es am Vortag meiner Abreise, als ich online einchecken wollte. Das System meldete, dass meine Einsteigekarten nicht ausgedruckt werden könnten, ich müsse mich an einem Check-in Schalter am Flughafen in Zürich melden. OK, das kann vorkommen.
  • Fast zeitgleich bekam ich jedoch eine E-Mail mit der Bordkarte für den Abschnitt Zürich-Frankfurt. Aha, es geht also doch! Aber wo ist die Karte für den Abschnitt Frankfurt-Panamá? – Niet! Nada! Nichts!
  • Am gleichen Abend meldete ich mich zum Check-in an einem SWISS Schalter in Zürich. Nachdem der Angestellte längere Zeit konzentriert und mit versteinertem Ausdruck auf den Bildschirm gestarrt hatte, sagte er mir, er müsse den Supervisor konsultieren. Er verstehe etwas nicht. Seltsam, dachte ich. Auch nicht mehr wie früher.
  • Nach einer ganzen Weile kam er endlich zurück und teilte mir mit, er könne mir bloss eine Einsteigekarte für den Flug LH1185 bis Frankfurt geben. Der Supervisor könne auch nichts machen. Die Bordkarte für den Flug LH484 müsse ich am Gate in Frankfurt besorgen. Wie bitte? Ist das neu? Und warum bloss ich? – Der Angestellte hob die Schultern und konnte mir keine befriedigende Antwort geben. Also begab ich mich selbst zum Schalter des Supervisors, um diesen nach dem Grund für diesen Umstand zu fragen.
  • Der Supervisor erklärte mir, die Regierung(!) in Panamá würde das so verlangen, ich müsse mich in Frankfurt zu einem AQQ melden. Nicht etwa die Einwanderungsbehörde, nein, die Regierung! – „Nun gut, aber was ist denn ein AQQ?“ wollte ich wissen. – „Ein Sicherheitscheck, der direkt von der Regierung in Panamá verlangt wird.“ – „Aha, und warum können Sie diesen Sicherheitscheck nicht in Zürich machen?“ – Weil er an einem Terminal der SWISS sitze und das nur über ein Terminal der Lufthansa in Frankfurt erledigt werden könne, antwortete der gescheite Herr Supervisor. Freundlich drehte er mir den Bildschirm seines Terminals zu und liess mich das fette, rote X sehen, das neben dem Abschnitt Frankfurt-Panamá stand. Aber warum die Regierung? Was ist denn da los?!? Ich habe nichts verbrochen. – Nun, was sollte ich tun? Ich fühlte mich irgendwie unbequem, da ich nicht wusste was los war und ob ich denn von Frankfurt wieder zurück nach Zürich oder vielleicht doch nach Panamá fliegen würde. Aber ändern liess sich das jetzt offenbar nicht.
  • Am nächsten Morgen brachte mich die Lufthansa nach einem Random-Sicherheits-Check ohne weitere Probleme von Zürich nach Frankfurt. Am Frankfurter Ankunfts-Gate im Terminal A fragte ich – so wie ich in Zürich instruiert worden war – den nächstbesten Beamten, der mir im Weg stand, wo ich mich zu besagtem AQQ melden könne, um meine Bordkarte zu bekommen.
  • „Zu was???“ wollte ein mit dieser Frage offensichtlich hoffnungslos überforderter Angestellter wissen. Ich soll mich beim Lufthansa Service-Center melden … Weil ich nur knapp 2 Stunden Zeit bis zum Weiterflug ab Terminal C hatte, machte ich mich schleunigst auf den Weg durch die langen Gänge des Terminals A in Richtung Terminal C, Gate 13, in der Hoffnung, unterwegs irgendwo auf mehr Verständnis für mein Anliegen zu stossen. Schon bald sah ich von Weitem ein Schild mit der Aufschrift LUFTHANSA SERVICE CENTER. Super, da hole ich jetzt meine Bordkarte! Zu früh gefreut: alle Schalter waren geschlossen. Also weiter!
  • Gut 5 Minuten später kam ich zu einem weiteren LUFTHANSA SERVICE-CENTER, diesmal mit geöffneten Schaltern. Um da rein zu kommen, hätte ich aber durch eine elektronisch gesteuerte Schranke mit einem Pass-Scanner müssen, die vermutlich verhindern sollte, dass Passagiere wegen einfachen Fragen wie „Wo ist die nächste Toilette?“ einen für die Lösung komplizierterer Probleme zuständigen, hochqualifizierten und hochbezahlten Beamten absorbieren würden. – „Ich muss mich für ein AQQ melden“, sagte ich dem Schrankenwärter und hoffte natürlich, dass das wichtig genug war, um vorgelassen zu werden.
  • „Zu einem WAS???“ – Aha, der weiss offenbar auch nicht, was das ist, dachte ich und wurde jetzt doch langsam etwas unruhig. – „Melden Sie sich da hinten bei meinem Kollegen“, blaffte der überforderte Schrankenwärter mich an und zeigte auf einen uniformierten Flughafenmitarbeiter, der etwas abseits der elektronischen Schranke unbeschäftigt herumstand. Es war offensichtlich, dass der Schranken-Hüter mich möglichst schnell loswerden wollte. In den Bereich mit Bedienung liess er mich auf jeden Fall nicht. – „Der Passagier da erzählt etwas von einem AQQ …“, gab er seinem Kollegen spöttisch als Hinweis mit auf den Weg und wendete sich wieder von mir ab …
  • Der Uniformierte verlangte meinen Pass und legte ihn mehrfach erfolgos auf das Glas eines Scanners. „Nicht lesbar. Geht nicht“, stellte er lakonisch fest. – Dann tippte er ein paar Zahlen in die Tastatur eines Gerätes in seiner Nähe und überreichte mir schliesslich ein kleines Ticket mit dem Aufdruck „99-„. Damit sollte ich mich – jetzt also doch –  in den Wartebereich des SERVICE-CENTERS begeben.
  • Über eine elektronische Anzeigen wurden laufend die Nummern eingeblendet, deren Halter sich zu einem bestimmten Schalter begeben sollten : 3343 A1… 3344 A3… 3345 A5… 3346 A2 … “ – Also, wenn ich jetzt bis zur Nummer 9901 warten muss, ist mein Flug weg, lange bevor ich auch zu einem dieser Schalter vorgelassen werde. Sch….!“ dachte ich gerade in dem Moment, als zu meiner Überraschung auf einem Bildschirm die 99 hell aufleuchtete und ich zum hintersten Schalter auf der rechten Seite gebeten wurde.
  • Ich schilderte dem neutral (mit anderen Worten gelangweilt) dreinblickenden Mitglied des Lufthansa Bodenpersonals, was mein Problem war. Er begann, genau gleich wie am Vorabend die zwei Helden in Zürich, Löcher in den Bildschrim zu starren, und es war ihm anzusehen, dass auch er keinen Schimmer davon hatte, was er tun sollte. Immer wieder zog er meinen Pass durch den Schlitz am oberen Rand seiner Tastatur, und jedes Mal sah der danach noch ratloser und noch unglücklicher aus.
  • Aber siehe da, nach einer Weile druckte er plötzlich kommentarlos und für mich völlig überraschend meine Bordkarte aus und überreichte sie mir. Wortlos. Eigentlich hätte ich jetzt zufrieden sein und mit meiner Einstiegskarte in Richtung C13 abhauen können. Aber ich wollte wissen, was denn das eigentliche Problem war, weil ich diese Strecke ja regelmässig fliege und beim nächsten Mal nicht wieder die gleichen Scherereien haben möchte.
  • „Die USA verlangen das so“, sagte er. – „Hä? Ich fliege doch gar nicht in die USA!“
  • „Aber ÜBER die USA.“ – „Nein, ich fliege auch nicht ÜBER die USA. Das ist ein Direktflug von Frankfurt nach Panamá. Keine Zwischenlandung, weder in den USA noch sonstwo.“
  • „Dann halt unterwegs über amerikanisches Territorium“, versuchte er sein Gesicht zu wahren. Da hatte er sich aber mit dem Falschen angelegt. Der Typ wurde zunehmend unsympathischer. –  „Glaube ich nicht“, trotzte ich, „wir fliegen die ganze Zeit bloss über dem Atlantik.“
  • Er gab nicht auf: „Sie brauchen ein Visum oder wenigstens ein ESTA für Panamá. Die USA verlangen das nun mal so.“ – „Ist das neu?“ wollte ich wissen, verscheuchte aber gleichzeitig den an die Oberfläche geschwemmten Gedanken, dass das dem Chef-Trumpel der USA durchaus zuzutrauen wäre.  „Und übrigens: erstens habe ich ein bis 2020 gültiges ESTA für die USA und zweitens brauche ich für die Einreise nach Panamá als Schweizer Bürger weder ein Visum noch ein ESTA. Zudem habe ich eine unbefristete Aufenthaltsbewilligung in Panamá. Ich wohne nämlich seit Jahren dort.“
  • Stur wie Emils Grautier, meinte der Typ: „Die USA verlangen das nun einmal so. Und abgesehen davon, hätte Ihnen das auch mein Kollege in der Schweiz sagen und die Bordkarte ausdrucken können. Ich sehe nicht, warum Sie damit zu mir kommen mussten.“ Da lag also der Hund begraben: ich hatte seine Ruhe gestört!
  • „Na ja, eigentlich wollte ich ja bloss wissen, wo das Problem lag, damit ich beim nächsten Mal hoffentlich nicht wieder das gleiche Prozedere durchlaufen muss“, versuchte ich es noch einmal höflich und entschuldigte mich für mein Insistieren.
  •  „Auf Wiedersehen!“ – Das war unmissverständlich das Ende meiner ‚Audienz‘. Der Schalter wurde für die nächste NUMMER freigegeben …

In Panamá angekommen suchte ich im Internet nach AQQ und fand Folgendes:

Screen Shot 05-30-19 at 05.52 AM

Mit einem Sicherheitscheck hat dieses AQQ (Apis Quick Query) also tatsächlich etwas zu tun. Warum das aber bei mir, und nur bei mir notwendig war, konnte mir keiner sagen. Und warum niemand vom Bodenpersonal wusste, was AQQ überhaupt bedeutet, finde ich auch jetzt noch  recht seltsam. However: ich hatte meine Bordkarte bekommen, und das war in jenem Augenblick einmal das Wichtigste.

In Panamá angekommen, musste ich mein Gepäck durch den Scanner laufen lassen. Das Deklarationsformular für den Zoll hatte ich – Gott sei Dank – korrekt ausgefüllt, mit einem Häckchen bei der Frage, ob ich Früchte, Gemüse oder Fleisch in meinem Koffer hätte.

Und sauber fragte mich ein Kontrolleur NACH dem Scanner, als ich schon fast draussen war, ob ich vielleicht Lebensmittel, genauer gesagt Fleisch mitbringe! – „Ja, hab ich deklariert.“ – „Was genau?“ – „Schokolade, Kekse und ein (P)paar Würste. Auf Spanisch kann man aufgrund der gesprochenen Sprache auch nicht feststellen, ob es sich nur um ein Paar Würste, also zwei, oder ein paar im Sinne von mehrere Würste handelt. „Aber die Würste sind gekocht, ich habe nichts Rohes dabei,“ fügte ich schnell hinzu, damit der Kontrolleur möglichst nicht auf die Idee kam, mich nach der genauen Anzahl (es waren 36 🙂 ) zu fragen oder – noch schlimmer –  mich zu bitten, den Koffer aufzumachen.

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„Jetzt mach endlich vorwärts und komm schon!“ keifte Roli gespielt verärgert. Er hatte mitbekommen, dass ich in die Klauen eines weiteren Beamten geraten war und glaubte, mich aus einer heiklen Situation befreien  zu müssen, „Wir haben schon genug Verspätung, und das Taxi wartet nicht ewig! Mach endlich vorwärts!“ Dabei hatte ich doch alles im Griff. Wie auch immer: der Kontrolleur schaute mich angesichts dieses offensichtlich keinen Widerspruch zulassenden Befehlstons meines Begleiters verblüfft und mitleidig an (so sah es auf jeden Fall aus) und liess mich laufen …

Übrigens: Heute hatten wir unsere Nachbarn zu einer Schweizer Wurst-Grill-Party eingeladen 🙂 – Und wir hatten viel zu lachen, als ich ihnen meine AQQ-Story erzählte. AQQ wird nämlich auf Spanisch ausgesprochen wie ‚a cucú‘ … und mit cucú bezeichnet man in einigen Ländern Lateinamerikas Personen, die nicht ganz alle Tassen im Schrank haben …

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Twitternde Schlaglöcher …

Kein Scherz: In Panama beschweren sich Schlaglöcher öffentlich über ihr Dasein – bei Twitter! Ihre Tweets gehen direkt ans Bauministerium und zu einem Fernsehsender.
„Ich bin es leid, immer die Schuld zu bekommen, wenn ein Autofahrer mich umfährt und einen Unfall baut!“ So lautet sinngemäß ein Eintrag beim Kurznachrichtendienst Twitter von – Sie lesen richtig – einem Schlagloch! „El Hueco Twitero“ („Das twitternde Schlagloch“) heißt eine Kampagne in Panama, die humorvoll, aber auch nachdrücklich die schlechten Straßenverhältnisse in dem mittelamerikanischen Land anprangert. Vor allem in der Hauptstadt Panama City ist die Verkehrsinfrastruktur nicht annähernd so eindrucksvoll wie die vielen Wolkenkratzer und Prachtbauten im Stadtbild.
(AutoBild vom 5.6.2015)

Nachdem ich nun seit knapp 6 Jahren in Panamá wohne kann ich bestätigen, dass obiger Artikel in der Revue AutoBild durchaus der Wahrheit entspricht.

Schlaglöcher sind jedoch bloss EINE der vielen Ursachen für Unfälle und Pannen in diesem Land. Ich hatte im Verlauf von 5 Jahren 5 (fünf!) Reifenpannen!

Auf die Schlaglöcher war ich vorbereitet. Ich hatte mir deshalb bei meiner Ankunft in Panamá nicht einen kleinen, und schon gar nicht einen neuen, sondern einen gebrauchten und etwas grösseren Wagen angeschafft, um nicht gleich in nächsten Schlagloch auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden. Aber auf die anderen Tücken hatte mich niemand aufmerksam gemacht: Nägel, Schrauben, Glasscherben, Blechstücke, Flaschen … neben allem anderen Unrat. Strassenränder gleichen nicht selten veritablen Müllhalden.

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Zwei meiner fünf Reifenpannen waren auf Schrauben zurückzuführen, eine auf einen Nagel, eine auf eine Glasscherbe, und für eine konnten wir die Ursache nicht eruieren.

Nun aber zu der aktuellen Panne:

Wir waren unterwegs von Playa Bonita nach Panamá-City, als es mitten auf dem Puente de las Americas plötzlich einen lauten Knall gab, gefolgt von einem kurzen, aber scharfen Pfffff… – Neiiiiin! Nicht schon wieder!

HIer geht’s zum Kurzvideo Reifenpanne

Aber alles Hoffen brachte nichts. Plattfuss! Schon wieder! Das macht im Schnitt einen pro Jahr.

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Da es auf der Brücke nichts gibt, was man als Pannenstreifen ansehen könnte, rumpelten wir mit dem Plattfuss auf der Felge weiter bis zum Brückenende, wo die Autobahn sich in 4 Spuren aufteilt: zwei auf die Umfahrung des Casco Viejo, und zwei in Richtung Avenida de los Martires. Dort hielt ich auf der Sperrfläche an, mittendrin zwischen den 4 Spuren, und Roli rief die Pannenhilfe meiner Versicherung an.

„Wir kommen gleich, in ein paar Minuten sind wir da,“ versprach die Agentin.

Eine Stunde später rief Roli nochmals bei der Versicherung an, um sich zu erkundigen, ob die Pannenhilfe unterwegs sei … „Ja, ja, er wird dich (die duzen hier jeden) bestimmt gleich anrufen. Warum anrufen? Herkommen soll er! Und zwar subito! Wozu hätten wir ihm sonst via WhatsApp unseren Standort mitteilen sollen?

Wieder eine Stunde später, rief Roli nochmals an. Und wieder bekam er die gleiche Antwort.

Nach zweieinhalb Stunden, endlich, vibrierte Rolis iPhone. „Hola, soy Tony Rodriguez. Ich bin gleich da.“ Und in der Tat, fünf Minuten später hielt Tony mit seinem Motorrad auf der Sperrfläche hinter unserem Auto an.

Toni Rodriguez

Nach einer halben Stunde hatte der gute Herr Rodriguez das Rad mit dem aufgeschlitzten Reifen weg. Um nun aber das Reserverad aufpumpen zu können, hätte er einen Kompressor gebraucht, den er dummerweise grad nicht dabei hatte. Um das Problem zu lösen schnappte er sich kurzerhand einen Schraubenschlüssel und begann damit, den Kompressor für das Aufpumpen der pneumatischen Stossdämpfer zu demontieren. Das sei sicher die Pumpe für das Reserverad, meinte er. – „Haaaaalt!!!! Finger weg!“ schrie Roli in höchster Aufregung und stellte sich entschlossen zwischen Toni und das Auto, bereit sein Leben zum Schutz des Cayenne herzugeben.

Tony liess sich schliesslich von dem Furz abbringen, die pneumatische Aufhängung zugunsten eines aufgepumpten Reserve-Reifens zu opfern, zumal seine Idee sowieso nicht umsetzbar gewesen wäre.

Um aber seinen guten Willen unter Beweis zu stellen, rief er seinen Chef an, um ihn um Rat zu fragen. Und siehe da, dieser hatte die Lösung: Er wies Tony Rodriguez an uns zu sagen, wir sollen mit dem platten Reifen einfach bis zur nächsten Tankstelle fahren und ihn dort pumpen … Hä? Habe ich richtig gehört?

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Nach fast drei Stunden in der schwülen Mittagshitze der Tropen hatte ich aber genug und folgte dann halt dem ‚guten‘ Rat. Langsam und vorsichtig fuhren wir ungefähr 600 oder 700 Meter weiter bis zu einem ‚Llantero‘ (Reifenhändler). Als wir dort ankamen rauchte der Ersatzeifen wie eine Teerküche, und wir mussten zuerst einmal warten, bis er sich etwas abgekühlt hatte. Nachträglich vermute ich, dass wir Glück im Unglück hatten. Noch ein paar Meter weiter und der Reifen hätte mit grösster Wahrscheinlichkeit lichterloh gebrannt.

Der Llantero zog sämtliche Register und gab alles, um den aufgeschlitzten Reifen mit einem Patch wenigstens soweit herzurichten, dass wir damit zu einem grösseren Llantero fahren konnten, der uns einen neuen Reifen verkaufen sollte. Er selber hatte keinen Pneu dieser Grösse.

An dieser Stelle muss ich nun aber unbedingt auch auf eine der positiven Seiten des abenteuerlichen Lebens in Panamá hinweisen: für seine hochprofessionelle Arbeit, d.h. für das Kunststück, einen zerfetzten Reifen so weit wiederherzurichten, dass man damit problemlos eine Strecke von knapp 20 Kilometern fahren konnte, verlangte der Llantero gerade einmal 5 USD. Ja, richtig gelesen: nur fünf!!! Als Roli ihm dankbar 10 Dollar gab, strahlte er über alle vier Bakcen und macht fast einen Hofknicks vor uns. Und übrigens: Der Pannendienst, der uns zwar nicht helfen konnte, kostete gar nichts. Der hätte aber auch nichts gekostet, wenn Tony Rodriguez uns hätte helfen können. Drei Pannen dieser Art sind in Panamá nämlich pro Jahr in der Autoversicherung inbegriffen … bei einer Jahresprämie von ca. 250 EURO. 🙂

Um gut 10 Uhr vormittags war der Reifen geplatzt. Um halb zwei kamen wir schliesslich beim grossen Llantero an, wo wir beschlossen gleich vier neue Reifen aufziehen zu lassen – weil gerade ein günstiges Angebot aktuell war. Eine Stunde sollte das dauern … Wir verliessen Llantas & Baterías in Albrook um halb fünf. Eine Panamaïsche Stunde halt.

logoLlantero

Aber immerhin: so habe ich doch endlich wieder einmal etwas zu erzählen, nicht wahr? Und gegenüber von dem Llantero gibt es eine Filiale von ATHANASIOU – da lässt es sich gut ein wenig verweilen :-).

Athanasiou