Für Simi …

Schawinsky fragt seine Gäste jeweils, nachdem er sie bereits vorgestellt hat, überflüssigerweise noch wer sie sind: Ich bin der jüngere Sohn von Schlegel Moritzens Pauls Paul … ja, der jüngere von den beiden. Der, der schon immer etwas schräg war. In Standardsprache klingt das aber alles irgendwie eigenartig. Dort, wo ich aufgewachsen bin, würde es heissen: dr jüngr vu z’Scheigeli Moritze Pauls Päulis Buebe vu dr Sage … Weisst du jetzt mehr? – Ich eigentlich auch nicht. Diesen Moritz habe ich schliesslich nie kennengelernt, und von Grossvater Paul sind mir auch fast nur seine schlohweissen Haare in Erinnerung geblieben, und der (gute!) Ratschlag, den er meinem Vater einmal gegeben hatte, als sich dieser bei ihm beklagte, seine Erziehungsversuche würden bei mir nicht fruchten: „Lass den Jungen nur machen! Der kommt schon recht heraus.“ Bravo Nini, das hast du schön gesagt! Und Recht hast du gehabt! Ja schon, aber wer bin ich denn jetzt? Ganz einfach: Simis Onkel, der, der abgehauen ist. Nach Panamá.
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AQQ – a cucú

Ich bin am vergangenen Sonntag, 26. Mai, aus Zürich via Frankfurt nach Panamá geflogen und habe in diesem Zusammenhang ein paar seltsame Situationen erlebt.

  • Angefangen hatte es am Vortag meiner Abreise, als ich online einchecken wollte. Das System meldete, dass meine Einsteigekarten nicht ausgedruckt werden könnten, ich müsse mich an einem Check-in Schalter am Flughafen in Zürich melden. OK, das kann vorkommen.
  • Fast zeitgleich bekam ich jedoch eine E-Mail mit der Bordkarte für den Abschnitt Zürich-Frankfurt. Aha, es geht also doch! Aber wo ist die Karte für den Abschnitt Frankfurt-Panamá? – Niet! Nada! Nichts!
  • Am gleichen Abend meldete ich mich zum Check-in an einem SWISS Schalter in Zürich. Nachdem der Angestellte längere Zeit konzentriert und mit versteinertem Ausdruck auf den Bildschirm gestarrt hatte, sagte er mir, er müsse den Supervisor konsultieren. Er verstehe etwas nicht. Seltsam, dachte ich. Auch nicht mehr wie früher.
  • Nach einer ganzen Weile kam er endlich zurück und teilte mir mit, er könne mir bloss eine Einsteigekarte für den Flug LH1185 bis Frankfurt geben. Der Supervisor könne auch nichts machen. Die Bordkarte für den Flug LH484 müsse ich am Gate in Frankfurt besorgen. Wie bitte? Ist das neu? Und warum bloss ich? – Der Angestellte hob die Schultern und konnte mir keine befriedigende Antwort geben. Also begab ich mich selbst zum Schalter des Supervisors, um diesen nach dem Grund für diesen Umstand zu fragen.
  • Der Supervisor erklärte mir, die Regierung(!) in Panamá würde das so verlangen, ich müsse mich in Frankfurt zu einem AQQ melden. Nicht etwa die Einwanderungsbehörde, nein, die Regierung! – „Nun gut, aber was ist denn ein AQQ?“ wollte ich wissen. – „Ein Sicherheitscheck, der direkt von der Regierung in Panamá verlangt wird.“ – „Aha, und warum können Sie diesen Sicherheitscheck nicht in Zürich machen?“ – Weil er an einem Terminal der SWISS sitze und das nur über ein Terminal der Lufthansa in Frankfurt erledigt werden könne, antwortete der gescheite Herr Supervisor. Freundlich drehte er mir den Bildschirm seines Terminals zu und liess mich das fette, rote X sehen, das neben dem Abschnitt Frankfurt-Panamá stand. Aber warum die Regierung? Was ist denn da los?!? Ich habe nichts verbrochen. – Nun, was sollte ich tun? Ich fühlte mich irgendwie unbequem, da ich nicht wusste was los war und ob ich denn von Frankfurt wieder zurück nach Zürich oder vielleicht doch nach Panamá fliegen würde. Aber ändern liess sich das jetzt offenbar nicht.
  • Am nächsten Morgen brachte mich die Lufthansa nach einem Random-Sicherheits-Check ohne weitere Probleme von Zürich nach Frankfurt. Am Frankfurter Ankunfts-Gate im Terminal A fragte ich – so wie ich in Zürich instruiert worden war – den nächstbesten Beamten, der mir im Weg stand, wo ich mich zu besagtem AQQ melden könne, um meine Bordkarte zu bekommen.
  • „Zu was???“ wollte ein mit dieser Frage offensichtlich hoffnungslos überforderter Angestellter wissen. Ich soll mich beim Lufthansa Service-Center melden … Weil ich nur knapp 2 Stunden Zeit bis zum Weiterflug ab Terminal C hatte, machte ich mich schleunigst auf den Weg durch die langen Gänge des Terminals A in Richtung Terminal C, Gate 13, in der Hoffnung, unterwegs irgendwo auf mehr Verständnis für mein Anliegen zu stossen. Schon bald sah ich von Weitem ein Schild mit der Aufschrift LUFTHANSA SERVICE CENTER. Super, da hole ich jetzt meine Bordkarte! Zu früh gefreut: alle Schalter waren geschlossen. Also weiter!
  • Gut 5 Minuten später kam ich zu einem weiteren LUFTHANSA SERVICE-CENTER, diesmal mit geöffneten Schaltern. Um da rein zu kommen, hätte ich aber durch eine elektronisch gesteuerte Schranke mit einem Pass-Scanner müssen, die vermutlich verhindern sollte, dass Passagiere wegen einfachen Fragen wie „Wo ist die nächste Toilette?“ einen für die Lösung komplizierterer Probleme zuständigen, hochqualifizierten und hochbezahlten Beamten absorbieren würden. – „Ich muss mich für ein AQQ melden“, sagte ich dem Schrankenwärter und hoffte natürlich, dass das wichtig genug war, um vorgelassen zu werden.
  • „Zu einem WAS???“ – Aha, der weiss offenbar auch nicht, was das ist, dachte ich und wurde jetzt doch langsam etwas unruhig. – „Melden Sie sich da hinten bei meinem Kollegen“, blaffte der überforderte Schrankenwärter mich an und zeigte auf einen uniformierten Flughafenmitarbeiter, der etwas abseits der elektronischen Schranke unbeschäftigt herumstand. Es war offensichtlich, dass der Schranken-Hüter mich möglichst schnell loswerden wollte. In den Bereich mit Bedienung liess er mich auf jeden Fall nicht. – „Der Passagier da erzählt etwas von einem AQQ …“, gab er seinem Kollegen spöttisch als Hinweis mit auf den Weg und wendete sich wieder von mir ab …
  • Der Uniformierte verlangte meinen Pass und legte ihn mehrfach erfolgos auf das Glas eines Scanners. „Nicht lesbar. Geht nicht“, stellte er lakonisch fest. – Dann tippte er ein paar Zahlen in die Tastatur eines Gerätes in seiner Nähe und überreichte mir schliesslich ein kleines Ticket mit dem Aufdruck „99-„. Damit sollte ich mich – jetzt also doch –  in den Wartebereich des SERVICE-CENTERS begeben.
  • Über eine elektronische Anzeigen wurden laufend die Nummern eingeblendet, deren Halter sich zu einem bestimmten Schalter begeben sollten : 3343 A1… 3344 A3… 3345 A5… 3346 A2 … “ – Also, wenn ich jetzt bis zur Nummer 9901 warten muss, ist mein Flug weg, lange bevor ich auch zu einem dieser Schalter vorgelassen werde. Sch….!“ dachte ich gerade in dem Moment, als zu meiner Überraschung auf einem Bildschirm die 99 hell aufleuchtete und ich zum hintersten Schalter auf der rechten Seite gebeten wurde.
  • Ich schilderte dem neutral (mit anderen Worten gelangweilt) dreinblickenden Mitglied des Lufthansa Bodenpersonals, was mein Problem war. Er begann, genau gleich wie am Vorabend die zwei Helden in Zürich, Löcher in den Bildschrim zu starren, und es war ihm anzusehen, dass auch er keinen Schimmer davon hatte, was er tun sollte. Immer wieder zog er meinen Pass durch den Schlitz am oberen Rand seiner Tastatur, und jedes Mal sah der danach noch ratloser und noch unglücklicher aus.
  • Aber siehe da, nach einer Weile druckte er plötzlich kommentarlos und für mich völlig überraschend meine Bordkarte aus und überreichte sie mir. Wortlos. Eigentlich hätte ich jetzt zufrieden sein und mit meiner Einstiegskarte in Richtung C13 abhauen können. Aber ich wollte wissen, was denn das eigentliche Problem war, weil ich diese Strecke ja regelmässig fliege und beim nächsten Mal nicht wieder die gleichen Scherereien haben möchte.
  • „Die USA verlangen das so“, sagte er. – „Hä? Ich fliege doch gar nicht in die USA!“
  • „Aber ÜBER die USA.“ – „Nein, ich fliege auch nicht ÜBER die USA. Das ist ein Direktflug von Frankfurt nach Panamá. Keine Zwischenlandung, weder in den USA noch sonstwo.“
  • „Dann halt unterwegs über amerikanisches Territorium“, versuchte er sein Gesicht zu wahren. Da hatte er sich aber mit dem Falschen angelegt. Der Typ wurde zunehmend unsympathischer. –  „Glaube ich nicht“, trotzte ich, „wir fliegen die ganze Zeit bloss über dem Atlantik.“
  • Er gab nicht auf: „Sie brauchen ein Visum oder wenigstens ein ESTA für Panamá. Die USA verlangen das nun mal so.“ – „Ist das neu?“ wollte ich wissen, verscheuchte aber gleichzeitig den an die Oberfläche geschwemmten Gedanken, dass das dem Chef-Trumpel der USA durchaus zuzutrauen wäre.  „Und übrigens: erstens habe ich ein bis 2020 gültiges ESTA für die USA und zweitens brauche ich für die Einreise nach Panamá als Schweizer Bürger weder ein Visum noch ein ESTA. Zudem habe ich eine unbefristete Aufenthaltsbewilligung in Panamá. Ich wohne nämlich seit Jahren dort.“
  • Stur wie Emils Grautier, meinte der Typ: „Die USA verlangen das nun einmal so. Und abgesehen davon, hätte Ihnen das auch mein Kollege in der Schweiz sagen und die Bordkarte ausdrucken können. Ich sehe nicht, warum Sie damit zu mir kommen mussten.“ Da lag also der Hund begraben: ich hatte seine Ruhe gestört!
  • „Na ja, eigentlich wollte ich ja bloss wissen, wo das Problem lag, damit ich beim nächsten Mal hoffentlich nicht wieder das gleiche Prozedere durchlaufen muss“, versuchte ich es noch einmal höflich und entschuldigte mich für mein Insistieren.
  •  „Auf Wiedersehen!“ – Das war unmissverständlich das Ende meiner ‚Audienz‘. Der Schalter wurde für die nächste NUMMER freigegeben …

In Panamá angekommen suchte ich im Internet nach AQQ und fand Folgendes:

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Mit einem Sicherheitscheck hat dieses AQQ (Apis Quick Query) also tatsächlich etwas zu tun. Warum das aber bei mir, und nur bei mir notwendig war, konnte mir keiner sagen. Und warum niemand vom Bodenpersonal wusste, was AQQ überhaupt bedeutet, finde ich auch jetzt noch  recht seltsam. However: ich hatte meine Bordkarte bekommen, und das war in jenem Augenblick einmal das Wichtigste.

In Panamá angekommen, musste ich mein Gepäck durch den Scanner laufen lassen. Das Deklarationsformular für den Zoll hatte ich – Gott sei Dank – korrekt ausgefüllt, mit einem Häckchen bei der Frage, ob ich Früchte, Gemüse oder Fleisch in meinem Koffer hätte.

Und sauber fragte mich ein Kontrolleur NACH dem Scanner, als ich schon fast draussen war, ob ich vielleicht Lebensmittel, genauer gesagt Fleisch mitbringe! – „Ja, hab ich deklariert.“ – „Was genau?“ – „Schokolade, Kekse und ein (P)paar Würste. Auf Spanisch kann man aufgrund der gesprochenen Sprache auch nicht feststellen, ob es sich nur um ein Paar Würste, also zwei, oder ein paar im Sinne von mehrere Würste handelt. „Aber die Würste sind gekocht, ich habe nichts Rohes dabei,“ fügte ich schnell hinzu, damit der Kontrolleur möglichst nicht auf die Idee kam, mich nach der genauen Anzahl (es waren 36 🙂 ) zu fragen oder – noch schlimmer –  mich zu bitten, den Koffer aufzumachen.

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„Jetzt mach endlich vorwärts und komm schon!“ keifte Roli gespielt verärgert. Er hatte mitbekommen, dass ich in die Klauen eines weiteren Beamten geraten war und glaubte, mich aus einer heiklen Situation befreien  zu müssen, „Wir haben schon genug Verspätung, und das Taxi wartet nicht ewig! Mach endlich vorwärts!“ Dabei hatte ich doch alles im Griff. Wie auch immer: der Kontrolleur schaute mich angesichts dieses offensichtlich keinen Widerspruch zulassenden Befehlstons meines Begleiters verblüfft und mitleidig an (so sah es auf jeden Fall aus) und liess mich laufen …

Übrigens: Heute hatten wir unsere Nachbarn zu einer Schweizer Wurst-Grill-Party eingeladen 🙂 – Und wir hatten viel zu lachen, als ich ihnen meine AQQ-Story erzählte. AQQ wird nämlich auf Spanisch ausgesprochen wie ‚a cucú‘ … und mit cucú bezeichnet man in einigen Ländern Lateinamerikas Personen, die nicht ganz alle Tassen im Schrank haben …

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Twitternde Schlaglöcher …

Kein Scherz: In Panama beschweren sich Schlaglöcher öffentlich über ihr Dasein – bei Twitter! Ihre Tweets gehen direkt ans Bauministerium und zu einem Fernsehsender.
„Ich bin es leid, immer die Schuld zu bekommen, wenn ein Autofahrer mich umfährt und einen Unfall baut!“ So lautet sinngemäß ein Eintrag beim Kurznachrichtendienst Twitter von – Sie lesen richtig – einem Schlagloch! „El Hueco Twitero“ („Das twitternde Schlagloch“) heißt eine Kampagne in Panama, die humorvoll, aber auch nachdrücklich die schlechten Straßenverhältnisse in dem mittelamerikanischen Land anprangert. Vor allem in der Hauptstadt Panama City ist die Verkehrsinfrastruktur nicht annähernd so eindrucksvoll wie die vielen Wolkenkratzer und Prachtbauten im Stadtbild.
(AutoBild vom 5.6.2015)

Nachdem ich nun seit knapp 6 Jahren in Panamá wohne kann ich bestätigen, dass obiger Artikel in der Revue AutoBild durchaus der Wahrheit entspricht.

Schlaglöcher sind jedoch bloss EINE der vielen Ursachen für Unfälle und Pannen in diesem Land. Ich hatte im Verlauf von 5 Jahren 5 (fünf!) Reifenpannen!

Auf die Schlaglöcher war ich vorbereitet. Ich hatte mir deshalb bei meiner Ankunft in Panamá nicht einen kleinen, und schon gar nicht einen neuen, sondern einen gebrauchten und etwas grösseren Wagen angeschafft, um nicht gleich in nächsten Schlagloch auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden. Aber auf die anderen Tücken hatte mich niemand aufmerksam gemacht: Nägel, Schrauben, Glasscherben, Blechstücke, Flaschen … neben allem anderen Unrat. Strassenränder gleichen nicht selten veritablen Müllhalden.

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Zwei meiner fünf Reifenpannen waren auf Schrauben zurückzuführen, eine auf einen Nagel, eine auf eine Glasscherbe, und für eine konnten wir die Ursache nicht eruieren.

Nun aber zu der aktuellen Panne:

Wir waren unterwegs von Playa Bonita nach Panamá-City, als es mitten auf dem Puente de las Americas plötzlich einen lauten Knall gab, gefolgt von einem kurzen, aber scharfen Pfffff… – Neiiiiin! Nicht schon wieder!

HIer geht’s zum Kurzvideo Reifenpanne

Aber alles Hoffen brachte nichts. Plattfuss! Schon wieder! Das macht im Schnitt einen pro Jahr.

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Da es auf der Brücke nichts gibt, was man als Pannenstreifen ansehen könnte, rumpelten wir mit dem Plattfuss auf der Felge weiter bis zum Brückenende, wo die Autobahn sich in 4 Spuren aufteilt: zwei auf die Umfahrung des Casco Viejo, und zwei in Richtung Avenida de los Martires. Dort hielt ich auf der Sperrfläche an, mittendrin zwischen den 4 Spuren, und Roli rief die Pannenhilfe meiner Versicherung an.

„Wir kommen gleich, in ein paar Minuten sind wir da,“ versprach die Agentin.

Eine Stunde später rief Roli nochmals bei der Versicherung an, um sich zu erkundigen, ob die Pannenhilfe unterwegs sei … „Ja, ja, er wird dich (die duzen hier jeden) bestimmt gleich anrufen. Warum anrufen? Herkommen soll er! Und zwar subito! Wozu hätten wir ihm sonst via WhatsApp unseren Standort mitteilen sollen?

Wieder eine Stunde später, rief Roli nochmals an. Und wieder bekam er die gleiche Antwort.

Nach zweieinhalb Stunden, endlich, vibrierte Rolis iPhone. „Hola, soy Tony Rodriguez. Ich bin gleich da.“ Und in der Tat, fünf Minuten später hielt Tony mit seinem Motorrad auf der Sperrfläche hinter unserem Auto an.

Toni Rodriguez

Nach einer halben Stunde hatte der gute Herr Rodriguez das Rad mit dem aufgeschlitzten Reifen weg. Um nun aber das Reserverad aufpumpen zu können, hätte er einen Kompressor gebraucht, den er dummerweise grad nicht dabei hatte. Um das Problem zu lösen schnappte er sich kurzerhand einen Schraubenschlüssel und begann damit, den Kompressor für das Aufpumpen der pneumatischen Stossdämpfer zu demontieren. Das sei sicher die Pumpe für das Reserverad, meinte er. – „Haaaaalt!!!! Finger weg!“ schrie Roli in höchster Aufregung und stellte sich entschlossen zwischen Toni und das Auto, bereit sein Leben zum Schutz des Cayenne herzugeben.

Tony liess sich schliesslich von dem Furz abbringen, die pneumatische Aufhängung zugunsten eines aufgepumpten Reserve-Reifens zu opfern, zumal seine Idee sowieso nicht umsetzbar gewesen wäre.

Um aber seinen guten Willen unter Beweis zu stellen, rief er seinen Chef an, um ihn um Rat zu fragen. Und siehe da, dieser hatte die Lösung: Er wies Tony Rodriguez an uns zu sagen, wir sollen mit dem platten Reifen einfach bis zur nächsten Tankstelle fahren und ihn dort pumpen … Hä? Habe ich richtig gehört?

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Nach fast drei Stunden in der schwülen Mittagshitze der Tropen hatte ich aber genug und folgte dann halt dem ‚guten‘ Rat. Langsam und vorsichtig fuhren wir ungefähr 600 oder 700 Meter weiter bis zu einem ‚Llantero‘ (Reifenhändler). Als wir dort ankamen rauchte der Ersatzeifen wie eine Teerküche, und wir mussten zuerst einmal warten, bis er sich etwas abgekühlt hatte. Nachträglich vermute ich, dass wir Glück im Unglück hatten. Noch ein paar Meter weiter und der Reifen hätte mit grösster Wahrscheinlichkeit lichterloh gebrannt.

Der Llantero zog sämtliche Register und gab alles, um den aufgeschlitzten Reifen mit einem Patch wenigstens soweit herzurichten, dass wir damit zu einem grösseren Llantero fahren konnten, der uns einen neuen Reifen verkaufen sollte. Er selber hatte keinen Pneu dieser Grösse.

An dieser Stelle muss ich nun aber unbedingt auch auf eine der positiven Seiten des abenteuerlichen Lebens in Panamá hinweisen: für seine hochprofessionelle Arbeit, d.h. für das Kunststück, einen zerfetzten Reifen so weit wiederherzurichten, dass man damit problemlos eine Strecke von knapp 20 Kilometern fahren konnte, verlangte der Llantero gerade einmal 5 USD. Ja, richtig gelesen: nur fünf!!! Als Roli ihm dankbar 10 Dollar gab, strahlte er über alle vier Bakcen und macht fast einen Hofknicks vor uns. Und übrigens: Der Pannendienst, der uns zwar nicht helfen konnte, kostete gar nichts. Der hätte aber auch nichts gekostet, wenn Tony Rodriguez uns hätte helfen können. Drei Pannen dieser Art sind in Panamá nämlich pro Jahr in der Autoversicherung inbegriffen … bei einer Jahresprämie von ca. 250 EURO. 🙂

Um gut 10 Uhr vormittags war der Reifen geplatzt. Um halb zwei kamen wir schliesslich beim grossen Llantero an, wo wir beschlossen gleich vier neue Reifen aufziehen zu lassen – weil gerade ein günstiges Angebot aktuell war. Eine Stunde sollte das dauern … Wir verliessen Llantas & Baterías in Albrook um halb fünf. Eine Panamaïsche Stunde halt.

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Aber immerhin: so habe ich doch endlich wieder einmal etwas zu erzählen, nicht wahr? Und gegenüber von dem Llantero gibt es eine Filiale von ATHANASIOU – da lässt es sich gut ein wenig verweilen :-).

Athanasiou

 

 

 

 

 

1x New York und zurück

Am 12. November erwartete ich einen lieben Besuch aus der Schweiz: E&C. Ihnen hatte ich schon vor langer Zeit versprochen, dass sie meinen Wagen benützen dürften, wenn ich während ihres Aufenthaltes für 10 Tage nach New York und Miami eingeladen war. Um sicherzustellen, dass das Auto keine Macken machen sollte, brachte ich es vorher zu einem Service in die Garage. Alles bereit: E&C konnten kommen …

Aber, wie heisst es so schön? Es kommt sowieso immer anders als man denkt! Und genau so war’s.

Am Freitag, 9. November fuhr auf der Avenida Balboa ein Polizist auf seinem Motorrad eine Weile hinter mir her. Dann schaltete er sein Blaulicht ein, positionierte sich seitlich von mir und gab mir Zeichen, ich sollte an den Straßenrand fahren und anhalten.

In Panama empfiehlt es sich, in so einer Situation der Aufforderung schnell nachzukommen. Also fuhr ich an den Straßenrand und ließ das Fenster auf meiner Seite herunter. Roli saß auf dem Beifahrersitz und wurde sichtlich nervös. Genau wie ich. Wir erwarteten, dass der Gesetzeshüter uns aus irgendeinem frei erfundenen Grund – wie üblich – eine Busse anhängen und uns dann auch gleich eine entsprechende Lösung zu suggerieren würde: Schmiergeld.

Zuerst stellte der Polizist sich freundlich mit Rang und Namen vor. Dann: „Woher seid ihr?“

„Ich aus der Schweiz, mein Begleiter aus Panamá“, antwortete ich. „Ich bin Americano-Panameño“, korrigierte Roli schnell.

„Ausweise! – Habt ihr Waffen dabei?“

„Nein.“

„Kofferraum aufmachen!“ Und an seinen Begleiter gerichtet Begleiter meinte er: „Dieser Typ will mich für dumm verkaufen.“

Entriegeln genügte nicht. Ich musste aussteigen und die Klappe selber aufmachen (Die Kofferraumklappe natürlich. Alles andere wäre sowieso kontraproduktiv gewesen).

Nachdem er sich selber überzeugen konnte, dass da keine Waffen waren (auch unter dem Reserverad nicht), fragte er mich, weshalb denn mein Carro hinten so nach unten hänge. Das sei doch nicht normal, wenn ich nicht irgendwo eine extrem schwere Ladung versteckt hätte …

„Ah, so … das hätte ich Ihnen gleich sagen können, Comandante, wenn Sie mich nur gleich zu Beginn gefragt hätten. Mein Auto hat Luftfederung, und da ist seit gestern Abend einer der hinteren Luftsäcke nicht mehr dicht. Nun ist da keine Luft mehr drin und die hintere Aufhängung ist am Arsch.“

„Siehst du? Der will mich verarschen.“

„Nein, ich will überhaupt niemanden verarschen. Ich komme soeben von der Autowerkstatt „AUTO TOYS“, wo Carlos mir gesagt hat, dass er die ‚Bolsas de Aire‘ in Deutschland bestellen muss, und dass das gut 12 Tage dauern kann, bis er sie hat. Rufen Sie ihn doch an oder schauen Sie sich die Meldung auf dem Display meines Autos an. Da steht es ja:

Und dann tat er etwas, was ich nicht im Traum erwartet hätte. Er entschuldigte sich in aller Form für sein rüdes Verhalten, bat mich um Verständnis dafür und fügte an, dass er eben jedem Verdacht nachgehen müsse, um die Allgemeinheit, und damit auch mich, vor kriminellen Elementen zu schützen. Zum Schluss reichte er mir die Hand und wünschte mir eine gute Weiterfahrt. „Fahren Sie vorsichtig, Caballero, kaputte Stossdämpfer erhöhen das Unfallrisiko.“ Wow! Es gibt sie also auch hier, die anständigen Polizisten!

Diese Episode ging also noch einmal gut aus. Trotzdem hatte die Sache aber einen Haken. Wie sollte ich denn jetzt am Montag E&C am Flughafen abholen? Carlos hatte mir doch geraten, den Cayenne möglichst nicht mehr zu fahren, bis der Schaden behoben wäre. Und abgesehen davon hatte ich E&C doch für die Zeit meiner Abwesenheit meinen Wagen versprochen. Sh…t!

Das erste Problem konnte ich lösen, indem ich von Montag bis Freitag ein Auto mietete. Einen KIA Sportage. Laut online Bestätigung sollte der Spass 265 USD kosten. Als ich die Kiste jedoch am Montag am Flughafen Albrook abholte, war der Preis 315 USD. Das war keine positive Überraschung. Als ich dem jungen Schnösel der Autovermietung NATIONAL den Wisch mit meiner Bestätigung unter die Nase hielt, meine er bloss, er verstehe kein Deutsch, und der Preis sei nun einmal 315, ich solle mir überlegen, ob ich das Auto wolle oder nicht. Punkt. Da ich mir das sowieso kostspieliger vorgestellt hatte, war ich nicht sehr enttäuscht und willigte ein.

Die zweite, diesmal aber positive Überraschung war die Qualität des Fahrzeugs. Der KIA lief ruhig und zuverlässig, und er war auch wesentlich spritziger als ich mir vorgestellt hatte. So vergass ich den kleinen Frust mit dem höheren Preis schnell. Auch E&C fühlten sich darin sicher, glaube ich wenigstens.

Am Freitag mussten wir bereits um 6 Uhr früh am Flughafen sein. Das hiess: Wecker auf 4 Uhr stellen, aufstehen, duschen, um 5 abfahren, KIA auftanken und vor 6 Uhr am Flughafen abgeben.

Zu meiner Überraschung gab es bei der Übergabe am Flughafen noch einmal einen neuen Preis. Damit hatte ich zwar gerechnet, weil die Autobahngebühren in der Höhe von knapp 15 USD noch aufgerechnet würden. Nicht gerechnet hatte ich aber damit, dass der Endpreis tiefer ausfallen würde. Sogar tiefer als in der Reservierungsbestätigung. Aus den 315 USD plus 15 Dollar Autobahngebühren wurden schliesslich 223 USD. Wie diese Rechnung geht, verstehe ich zwar bis heute nicht. Aber alles muss man ja auch nicht verstehen, oder? Da dies jedoch kein Grund zum Reklamieren war, hielt ich tunlichst die Klappe (diesmal nicht die des Kofferraums), unterschrieb den Voucher mit meinem freundlichsten Lächeln und verabschiedete mich zügig. Ja, ich war doch in Eile und musste zum Einchecken …

Der Flug von Panamá nach New York, mit einem Stop-over in Miami, verlief ohne grössere Zwischenfälle, wenn wir bereit sind, zwei Stunden Verspätung als normal zu betrachten. Einverstanden?

In New York kamen wir spät am Abend an, es lag Schnee rund um den Airport, und es war saukalt und stockfinster. Der Bus, der uns von NEWARK in die Stadt bringen sollte, fahre alle 20 Minuten, hatte man uns gesagt. Auf dem Plakat stand alle 30 Minuten. Wir warteten eine geschlagene Stunde auf ihn. 18 USD. Pro Person. Und ja, ein Weg … Dafür brachte er uns aber fast ganz genau vor den Eingang unseres Hotels.

 

Am nächsten Morgen suchten wir nach dem Frühstück einen Apple-Shop, weil ich die Batterie meines iPhones auswechseln lassen wollte. Wir fanden den Shop in der Central Station. Flink wie Wiesel huschten dort zahlreiche Angestellte mit iPads umher, nahmen ebenso flink die Daten eintreffender Kunden auf und wiesen diese dann einem der vielen Beraterzentren zu. „Sie werden aufgerufen, wenn ein Fachmann frei wird.“

Kaum eine Viertelstunde später war es soweit. Carlos, ein blutjunger Puertoriqueño reckte seinen Hals, um eine bessere Übersicht zu haben, und rief meinen Namen in die Menge. Zuerst erkundigte ich mich bei Carlos, ob sich allenfalls der Eintausch meiner zwei iPhones gegen EIN neues iPhone X mit zwei SIM-Karten lohnen würde, damit ich auf internationalen Reisen nicht immer mit zwei Handys unterwegs sein müsste. 750 USD Aufpreis hätte der Spass gekostet. Carlos warnte mich aber, leider würde meine Schweizer SIM-Karte im amerikanischen iPhone X nicht funktionieren … ich sollte mich besser in der Schweiz nach dem X mit zwei SIM-Karten erkundigen (das tat ich später, aber in Helvetien hätte das X, das ich haben wollte, mehr als 1400 CHF gekostet – Blas mir in die Schuhe, Hochpreisinsel Schweiz! So viel ist mir die Bequemlichkeit dann doch nicht wert).

Ich liess also meinen Patienten zum Auswechseln der Batterie in der Central Station, um ihn zwei Stunden später gegen Bezahlung von 29 USD wieder dort abzuholen. Das klappte alles bestens, so dass wir uns anschliessend dem nächsten Punkt auf meiner To-Do-Liste widmen konnten.

Wir wollten Karten für die berühmte Weihnachtshow der Rockettes in der Radio City Hall besorgen. Also machten wir uns zu Fuss auf den Weg dorthin (mir machen in New York fast alles zu Fuss, wenn möglich).

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Offenbar waren wir aber nicht die einzigen, die diese Idee hatten. Lange Schlangen vor den Ticketschaltern liessen uns dort weitere zwei Stunden verbraten, bevor wir uns mit den erstandenen Tickets zufrieden zum Dinner ins Restaurant Barilla begaben.

Nach dem Abendessen begaben wir uns mit gut gefüllten Mägen auf den Fussmarsch zurück zum Hotel. Kaum waren wir dort, es muss so gegen 21 Uhr gewesen sein, klingelte Rolis Handy. „Nein, nein, bitte sag, dass das nicht wahr ist … nein, nein, bitte nicht, bitte  ….“. Und dann flossen die Tränen. Roli hatte soeben die Nachricht bekommen, dass sein älterer Bruder in Panamá gestorben war. Als er sich etwas beruhigt hatte, annullierte er die gebuchten Flüge und reservierte die nächstmöglichen Flüge zurück nach Panamá. Das bedeutete, dass wir am nächsten Morgen schon wieder um 4 Uhr aufstehen mussten. Vorher gabe es aber noch eine andere Überraschung.

Wir hatten uns kaum hingelegt und versuchten zu schlafen, als um 22:00 Uhr im Hotel Feueralarm ausgelöst wurde. Neiiiiin! Nicht aus das noch! Über Lautsprecher wurden wir aufgefordert, im Zimmer zu bleiben und auf keinen Fall Fenster oder Türen zu öffnen, bis wir weitere Instruktionen bekämen. Na, toll! Feueralarm, im Zimmer bleiben und warten bis wir grilliert würden, und das im 24. Stock! Kurz darauf sahen und hörten wir (durch das geschlossene Fenster selbstverständlich) die Feuerwehr heranbrausen und vor unserem Hotel anhalten.

Da du, lieber Leser, liebe Leserin, diese Geschichte jetzt lesen kannst, schlussfolgerst du bereits ganz richtig, dass wir überlebt haben. Eine gute Viertelstunde später kam nämlich die Entwarnung. Der Brandherd sei schnell gefunden und das Feuer gelöscht worden, wir könnten uns nun wieder hinlegen und vorläufig weiterschlafen. Gute Nacht. Hä? Hatte ich richtig gehört? Vorläufig? Offenbar schon. Roli hörte es auf jeden Fall auch so. Gute Nacht!

Viel geschlafen haben wir in dieser Nacht nicht, und das nicht nur, weil wir schon um 4 Uhr wieder aufstehen mussten. Irgendwie waren wir sogar froh, dass wir dort so früh wie möglich wegkamen.

Diesmal nahmen wir ein Taxi zum Flughafen, um rechtzeitig dort zu sein.

Und nun, nachdem du vielleicht sogar El Condor pasa – oder auch nicht gelesen hast, wird es dich kaum überraschen, dass unser Flug natürlich nicht pünktlich vom Acker kam. Unsere Flüge waren in letzter Zeit ja nie pünktlich. Statt morgens in aller Herrgottsfrühe starteten wir erst kurz nach dem Mittag in einer Ersatzmaschine). Und dafür mussten wir um 4 Uhr aufstehen?

Aufenthalt in Miami: 5 Stunden. Grrrrrr…..  Da Roli aber bei American Airlines aus seinen Zeiten als aktives Mitglied der ‚werktätigen Jugend‘ immer noch vom Platinstatus profitiert, begaben wir uns in die Flagship Lounge im Terminal D, um uns wenigstens die lange Wartezeit mit Abräumen der zahlreichen reichlich gedeckten Buffets zu vertreiben. Zur Beruhigung der Nerven gab es übrigens auch Alkohol in jeder Form und in ausreichender Menge 🙂

Nachdem wir aber in New York vor dem Abflug während dem ganzen Vormittag von einem Gate zum andern gehetzt worden waren – zuerst Gate 49, dann 37, danach 33 und dann wieder 37, nur um am Schluss doch von Gate 33 abzufliegen, und am Abend in Miami zuerst vom Terminal D8 nach E31 und anschliessend wieder zurück nach D48, brauchten wir uns um die Verbrennung der überschüssigen Kalorien keine grossen Sorgen zu machen.

Abends um 19 Uhr hoben wir endlich in Miami ab und landeten ungefähr um 21 Uhr auf dem Flughafen Tocúmen in Panamá. Das war – man höre und staune! – eine halbe Stunde vor der geplanten Ankunftszeit laut Flugplan. Ob die Pechsträhne damit nun wohl endlich ein Ende gefunden hat? Hoffen wir’s!

Auf jeden Fall war Lilibeth UBER bereits dort und erwartete uns. Sie brachte uns nach Playa Bonita, wo wir wegen dem Stau vor der Brücke über den Kanal aber trotzdem erst gegen halb 12 eintrafen.

E&C waren noch wach … und mussten wohl ober über zur Kenntnis nehmen, dass aus den versprochenen 10 Tagen sturmfreier Bude nichts geworden war.

Für einen einzigen Tag in New York waren wir schliesslich zweimal um 4 Uhr morgens aufgestanden und kamen an den beiden Reisetagen jeweils erst spätabends an.

Was wir mit den Tickets für die Show mit den Rockettes in der Radio City Hall gemacht haben? – Aha, ja, die haben wir halt dem netten Rezeptionisten des Hotels geschenkt.

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El CONDOR pasa – oder auch nicht.

Panamá – Punta Cana – Frankfurt – Zürich

Bevor ich ohne Rücksicht auf Verluste meinen ganzen Frust wegen dieser Airline ausbreite, weise ich gern darauf hin, dass das Kabinenpersonal auf den Strecken Punta Cana – Frankfurt und Frankfurt – Santo Domingo Cana einen hervorragenden Job machte. Wirklich. Ausgezeichnet. Die anderen Strecken wurden übrigens sowieso nicht von CONDOR bedient.

Trotzdem werde ich nach Möglichkeit never again einen Flug bei CONDOR buchen. Das Kabinenpersonal bestand übrigens ausschliesslich aus Frauen, mit Ausnahme des Cockpits. – Wie bitte? – Ah, nein, das ist natürlich nicht der Grund, warum ich nie wieder CONDOR buchen möchte. Keine falschen Schlussfolgerungen, bitte.

Nun aber wieder zur Sache: als ich von Panamá her kommend in Punta Cana ausstieg, hauchte in dieser schlauchähnlichen Gangway zwischen Flugzeug und Flughafengebäude eine schüchtern wirkende und offensichtlich keiner Fremdsprache mächtige Dominikanerin (nein, nicht eine von diesem aussterbenden Orden, sondern eine Einwohnerin der Dominikanischen Republik) in unregelmässigen Abständen „Transfer … Transit … Transfer … Transit …“.

Von meinem inzwischen weltweit berühmten Kleinen Amerikaner, der drei Wochen früher via Punta Cana und Frankfurt in die Schweiz zum Greifensee-Halbmarathon geflogen war, wusste ich, dass am Flughafen von Punta Cana das Wort Organisation noch wenig, naja, eigentlich sehr wenig oder eher gar nicht, und wenn, dann nur im passiven Sprachgebrauch verankert war. Ich war deshalb ziemlich überrascht von dieser doch verdächtig nach Organisation riechenden Aktivität.

Da standen wir dann also, ein kleines Grüppchen verwundernd aus der Wäsche guckender Passagiere in diesem feuchtheissen Korridor zwischen Flugzeug und wer-weiss-was, und harrten gespannt der Dinge, die da kommen mochten. Eine gute halbe Stunde später hauchte die Dominikanerin sowas wie ‚falomi‘, was wir nach kurzer Beratung einstimmig als ‚follow me‘ interpretierten und der an und für sich ganz netten Nicht-Nonne folgten.

Sie schleuste uns durch kahle Gänge, durch Personalein- und Personalausgänge, irgendwie an den Migrationsbehörden vorbei auf einen Vorplatz, wo ein Bus für uns bereitstand. Dieser schüttelte uns zu einem anderen Terminal, wo wir wieder durch eine Hintertür geschleust und über weitab der offiziellen Gänge liegende Schleichwege in den normalen Passagierstrom eingegliedert wurden.

Da ich immer noch im Besitz einer Vielflieger Miles & More SENATOR* Gold Karte bin und in Punta Cana vier Stunden Aufenthalt hatte, steuerte ich zielstrebig auf die entsprechende Lounge zu, um der feuchten Hitze zu entkommen und den Weiterflug nicht mit durchgeschwitzten Kleidern antreten zu müssen.

Da hatte ich die Rechnung aber ohne den Wirt gemacht! Trotz meiner wunderbar golden schimmernden Karte, und obwohl ich einen Sitz in der Businessklasse hatte (gebucht, nicht geschenkt bekommen), liessen die mich nicht rein. „Sie brauchen einen Voucher von CONDOR.“ – „Aha. Und wo finde ich einen Schalter von CONDOR?“ – „Hier, gleich vis-à-vis, aber der wird erst eine Stunde vor Abflug besetzt.“ Mensch, bin ich froh, dass in diesem Moment niemand ein Foto von meiner Visage gemacht hat! Man hätte kein grosser Menschenkenner sein müssen, um zu sehen, was mir grad durch den Kopf ging.

Aber etwas musste ich ja tun, um die Zeit totzuschlagen. Also streifte ich durch die offenen Hallen, um mich vom Frust abzulenken. Unterwegs fragte ich immer wieder nach Büros, Schaltern und Personal von CONDOR. Und siehe da! Eine Angestellte einer ANDEREN Lounge meinte: „Das geht gar nicht! Die rufe ich jetzt an und mache ihnen Beine.“ Und in der Tat, 10 Minuten später hatte ich den Voucher von CONDOR und machte mich auf den Weg zurück zu ‚meiner‘ Lounge.

Hinter vorgehaltenem Voucher zeigte ich dem Rindvieh am Empfang den Stinkefinger und wedelte ihr dann genüsslich mit dem Wisch vor der Nase herum, während ich sie gleichzeitig wissen liess, dass ich dank einer KOMPETENTEN Receptionistin einer ANDEREN Lounge in dessen Besitz gekommen war. So geht Kundendienst. Klar?
(Ja, grundsätzlich eher eine ruhige und bescheidene Natur, kann ich durchaus auch eklig werden, wenn mich jemand zu verarschen versucht.)

Der Flug von Punta Cana nach Frankfurt war dann einwandfrei. Und übrigens, damit da niemand auf falsche Gedanken kommt: ich hatte Businessklasse gebucht, weil diese günstiger als die Premium Economy war. – Ja, das gibt es. Ich flog auch schon FIRST, weil das sogar günstiger als ECO war! Vergleichen lohnt sich manchmal 🙂 Siehe: Dörf’s es bitzeli meh sy?

Den Vogel abgeschossen hat CONDOR aber mit dem Rückflug.

Zürich – Frankfurt – Santo Domingo – Panamá

Mit einer knappen Stunde Verspätung von Zürich her in Frankfurt ankommend, hetzten wir besorgt durch den weitläufigen Airport, um den Anschluss nach Santo Domingo nicht zu verpassen. Der Weg vom Terminal A 24 zum Terminal B 60 ist lang. Endlose Laufbänder, einmal mit dem Aufzug rauf, dann wieder runter und durch die Passkontrolle, das kann im dümmsten Fall locker eine Stunde in Anspruch nehmen. Alles schon gehabt!

Diesmal ging’s aber zügig. Und zu meiner grossen Überraschung mussten wir nicht einmal mehr das Handgepäck durch einen Scanner laufen lassen. Als wir keuchend und schwitzend am Gate B 60 ankamen: war dieses leer! Kein Personal, keine Passagiere! Niet. – Hä? Was ist denn hier los?

Auf einem Bildschirm in der Nähe hiess es aber ganz klar : DE2234, Abflug nach Sto. Domingo um 21:50h, Gate B60. Nun gut, warten wir halt.

Am Gate nebenan wurde ein Flug nach Schanghai abgefertigt. Die dort anwesenden Angestellten der Lufthansa bestätigten uns, dass wir am richtigen Gate waren. „Wir haben seit Jahren nichts mehr mit CONDOR zu tun“, meinte eine äusserst freundliche und hilfsbereite Dame. „Gott sei Dank! Aber machen Sie sich keine Sorgen, die kommen dann schon. Das ist halt CONDOR.“ Ich müsste lügen, wenn ich behaupten würde, dieser letzte Nachsatz hätte mich überrascht. Er hat mir lediglich bestätigt, was ich bereits vermutete.

Eine Viertelstunde später wurde der Schalter am Gate B 60 besetzt. Da wir offenbar immer noch die einzigen möglichen Passagiere waren, nutzten wir die Gelegenheit, und fragten, auf welche Zeit denn das Boarding angesetzt sei. Statt unsere Frage zu beantworten, meinte der Angestellte: „Ich sehe, Sie sind im Besitz einer Miles & More Gold Karte. Möchten Sie lieber morgen mit der Lufthansa direkt nach Panamá fliegen, anstatt heute mit CONDOR via Santo Domingo? Der heutige Flug ist nämlich überbucht. Wir offerieren Ihnen Businessklasse, 600 EURO Vergütung pro Person(!) und eine Nacht im Steigenberger Hotel, Abendessen und Frühstück selbstverständlich inbegriffen.“

Da wir für den Rückflug ’nur‘ Premium Economy gebucht hatten, und da der Flug anderntags in der Businessklasse direkt nach Panamá gehen würde, brauchte uns der Officer am Gate nicht lange zu bezirzen. „Klar, einverstanden. Machen wir.“ Die 600 EURO waren selbstverständlich ein zusätzliches Argument, um uns zu überzeugen. Wir sind ja schliesslich keine Millionäre. „Gut, dann nehmen Sie bitte einen Moment Platz während ich die Umbuchung vornehme.“

Der Moment dauerte eine gute Stunde, und während dieser Zeit erschienen in grösseren und kleineren Gruppen immer wieder verschwitzte Passagiere, offensichtlich auch von verspäteten Zubringerflügen, die, genau wie wir, befürchteten, ihren Anschluss zu verpassen. Nach und nach füllte sich das Flugzeug ….

Schliesslich rief uns die Assistentin des Gate Chief Officers zu sich. Wurde ja auch langsam Zeit! Aber statt uns neue Bordkarten für den nächsten Tag auszuhändigen, teilte sie uns furztrocken mit, dass der Flieger nun doch nicht voll sei, weil nicht alle Passagiere rechtzeitig angekommen seien, und wir könnten nun doch mit CONDOR via Santo Domingo (5 Stunden Aufenthalt!) fliegen. Ach du Sch … Keine Businessklasse, kein Steigenberger Hotel und schon keine 600 EURO! Da hätten wir Priority Boarding gehabt, und damit jede Menge Platz in den Gepäckablagen, um unser Handgepäck zu verstauen, und nun mussten wir als letzte einsteigen und unser Handgepäck selbstverständlich weit weg von unseren Sitzen in dieser vermaledeiten Kiste unterbringen. „Nun gut. Nicht aufregen. Schliesslich sind wir morgen früh in Panamá.“

Wir hätten schon längst abgeflogen sein müssen, als sich der Pilot mit der Mitteilung meldete, ein Triebwerk funktioniere nicht einwandfrei, wir müssten noch ein wenig Geduld haben. Das kann ja vorkommen, oder? Und ein wenig Geduld hatten wir ja noch.

Um 22:25h wieder die Stimme des Piloten. „Wir sollten eigentlich seit 35 Minuten in der Luft sein, aber das Triebwerk will immer noch nicht. Es bleibt uns noch ungefähr eine halbe Stunde, um eine defekte Benzinpumpe zu ersetzen. Wenn wir es aber in dieser Zeit nicht schaffen …. um Punkt 23:00 Uhr schliesst der Flughafen Frankfurt; dann wir müssten morgen fliegen.“

10 Sekunden vor elf. „Leider haben wir es nicht geschafft. Wir müssen Sie bitten, das Flugzeug wieder zu verlassen …. aber bitte nicht sofort. Das Flughafenpersonal ist schon weg, und bis die zurück sind, kann es 90 Minuten dauern. Wir müssen auf einen Bus warten, der Sie zum Terminal zurück bringt.“ Neiiiiiin!

Glücklicherweise dauerte es dann doch keine 90 Minuten und wir wurden, Fuhre um Fuhre, wieder zum Flughafengebäude zurück gekarrt.

Dort angekommen, erwartete uns: NIEMAND! Nur Reinigungspersonal war da, aber sonst keine Sau!

Eine halbe Stunde später führte uns ein kleiner Mann in einem viel zu grossen, dunkelblauen Overall und mit einem Besen in der Hand zu einem Ausgang (er hatte offenbar Instruktionen von ausserhalb bekommen), wo ein STEIGENBERGER Shuttle-Bus auf uns wartete. Der Bus war selbstverständlich in Null-Komma-Blitz voll (und wir Gott sei Dank drinnen). Um ein Uhr früh kamen wir im Steigenberger Hotel an und checkten ein. Dort bekamen wir endlich Informationen: „Morgen um 10:00 Uhr müssen Sie wieder am Flughafen sein. Dann wird man Ihnen sagen können, wie es weiter geht. Ein Shuttlebus fährt alle 20 Minuten.“

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Einchecken, Nachtessen und ab ins 5-Sternebett!

Selbstverständlich waren wir am folgenden Tag nicht um 10:00 Uhr, sondern bereits um 09:00 Uhr am Flughafen. Vielleicht bestand ja immer noch die Chance, den Direktflug um 12:00 Uhr mit der Lufthansa zu bekommen. – Fehlanzeige. „Ausgebucht.“

Wir suchten einen Schalter von CONDOR. Nicht vorhanden. Aber da war doch ein Service Center von Lufthansa, nicht wahr? 12 Schalter! Vielleicht wissen die mehr über die Zicken ihrer Tochter. Ja, vielleicht, nur dummerweise waren alle 12 Schalter geschlossen.

Dann rief ich Miles & More in der Schweiz an. Die verbanden mich mit CONDOR – aber die Angestellte von CONDOR in der Schweiz konnte mir auch nicht sagen, wie es weitergehen würde. Also mussten wir doch bis 10 Uhr warten.

Dann endlich erschien auf den Anzeigetafeln der Flug DE2234 nach Santo Domingo wieder. Abflug um 13:00 Uhr. Gate B 62. Wenigstens wussten wir ja schon, wo ungefähr sich das Gate befand.

Diesmal nutzen wir unser Privileg und bestiegen einen nigelnagelneuen Vogel, zusammen mit den Businessmännern und -frauen vom Vortag. Das Triebwerk der alten Kiste war offenbar immer noch defekt. Aber die gleiche Crew wie am Vortag wirkte frisch, ausgeschlafen und 100% einsatzbereit. Das Handgepäck verstauten wir direkt über unseren Sitzen. Alles bestens. Und der Start mit nur gut einer halben Stunde Verspätung müsste eigentlich  schon fast als pünktlich bezeichnet werden. Um 13:35 Uhr machten wir uns vom Acker.

Es ist übrigens erstaunlich, wie viele Business-KINDER es gibt … dabei hätten diese kleinen Biester mit ihren kurzen Beinen doch mehr als bloss genug Platz auf unseren Eco-Sitzen. Aber nein, ihre Eltern wollen sie wohl von Anfang an daran gewöhnen, dass sie etwas Besseres sind als die armen Schlucker, die sich, da hinten zusammengepfercht wie Legehennen, einmal im Jahr einen Badeurlaub in der Dominikanischen Republik leisten können. Vom Mund abgespart natürlich.

Naja, wir hatten ja immerhin Premium Economy, und das ist etwas, was ich für Langstreckenflüge nur empfehlen kann. Der Aufpreis ist bescheiden, der Komfort aber doch wesentlich grösser als ganz hinten. Und zudem: „Äxgüsi, nur so für alle Fälle. Wir fliegen nicht zum Badeurlaub in die Dom. Rep. Wir wollen weiter nach Panamá. Und das bitte so schnell wie möglich.“

Unterwegs gab’s Essen und Getränke, und zwar ganz ordentlich für Flugzeugkost. Die Getränke waren in der Premium Economy kostenlos, während die Passagiere im hinteren Teil der Kabine für mehr oder weniger alles zur Kasse gebeten wurden. Und das nicht zu knapp. Wer einen Film schauen wollte, musste 9 Euro dafür hinblättern … Mein Travel Companion hatte es da wesentlich besser: Gutes Essen, Fürst Metternich aus dem Plastikbecher, gratis Filme und einen gesunden Schlaf …

 

Ist es eigentlich gut, in einem ganz neuen Flugzeug zu fliegen? Ich bin nicht ganz sicher. Hoffentlich kennt unser Condor die Route von Frankfurt nach Panamá schon auswendig. Man muss nämlich wissen, dass die Piloten auf Langstreckenflügen ihre Vögel manchmal ganz allein fliegen lassen, während sie mit den hübschen Flight Attendants flirten, oder schlimmer noch, sogar schlafen. Nicht auszudenken, was da alles passieren könnte, während die Crew sich vergnügt! Stell dir bloss vor: Der Condor könnte Lust verspüren, in seine alte Heimat zu fliegen, d.h. irgendwo nach Ecuador, Perú oder Bolivien, statt nach Santo Domingo. Um Gottes Willen! Das wäre eine Katastrophe. Da würde nämlich der Sprit nicht ausreichen, und wir würden allesamt irgendwo über dem grossen, weiten Atlantik wie tote Fliegen vom Himmel fallen, vom Radar verschwinden und auf Nimmerwiedersehen von dieser Welt gehen, vielleicht sogar von einem Hai gefressen werden! Oh, Gott! Von solchen Ereignissen hört man ja in der jüngeren Vergangenheit nur allzu oft.

Und überhaupt: wieso ist die Tochter der Lufthansa eigentlich ein CONDOR??? Die Lufthansa ist doch ein KRANICH! „Hilfe! – Das ist eine ganz grosse Verschwörung!“ Und dann wachte ich ob meinem eigenen Hilferuf irgendwie auf und war im ersten Moment ganz erleichtert, als eine nette Flugbegleiterin vor mir stand und etwas daherbröselte wie „Santo Domingo – schlafen – Hotel – kein Anschluss – weiter am nächsten Tag …“ Woff! Mit einem Schlag war ich wieder hellwach. Was nun? Das bisschen Geduld von gestern Abend war restlos aufgebraucht.

Umgehend rief ich alle meine 5 Sinne zu einer Beratung zusammen und erklärte der Dame nach gründlicher Überlegung schliesslich: „Wir haben in Frankfurt recherchiert. Es gibt um 18:05 Uhr einen Flug der COPA von Santo Domingo nach Panamá, und wir landen gemäss Angaben des Piloten um 16:30 Uhr in Santo Domingo. Wo ist also das Problem? – Nun nehmen Sie schon ihre Beine unter die Arme und sorgen Sie dafür, dass wir auf diesen Flug gebucht werden. Wir wollen jetzt endlich nach Hause!“

16:30 Uhr, Landung in Santo Domingo: „Hier spricht Ihr Kapitän. Bleiben Sie bitte alle auf ihren Plätzen sitzen und blockieren Sie nicht die Gänge. Wir haben Passagiere an Bord, die dringend einen knappen Anschlussflug erreichen müssen. Erheben Sie sich nur, wenn im Anschluss an diese Durchsage Ihr Name aufgerufen wird.“ Und dann wiederholte der Purser die Durchsage noch in englischer und französischer Sprache, bevor 7 Namen aufgerufen wurden. Ja, ja, ja … mach schon! Endlich die Erlösung: „…, …, Rolando Antonio Alvarado, Philipp Anton Schlegel …“.

Am Ankunftsgate (hier mit Fingerdock, nicht wie in Frankfurt)  erwarteten uns der Pilot des Fluges CM307 von Santo Domingo nach Panamá und ein Offizier der Migrationsbehörden. „Lauft, lauft … „, mahnte der Pilot, und der Officer drückte uns Transit- und Bordkarten in die Hände. Danach eilte er voraus zu den Migrationsschaltern und schleuste uns an diesen vorbei. Ab hier übernahmen Roli und ich (weil wir den Flughafen SDQ beide gut kennen) die Führung der kleinen Gruppe von 7 Passagieren, die das Glück hatten, auf den COPA-Flug gebucht zu werden, und stürmten weiter zum Gate A24, wo wir völlig verschwitzt und ausgepowert ankamen. Eine Stunde zu früh 🙂

However: Der Flug CM307 hob pünktlich ab und landete sogar 20 Minuten früher als geplant in Panamá Tocumen. Der Flughafen war fast leer, und unser Gepäck drehte offenbar schon die zweite Runde auf dem Band, als wir die Passkontrolle hinter uns hatten.

Draussen erwartete uns Dicky, Rolis jüngster Bruder, der uns in seinem geliebten Ford Mondeo nach Playa Bonita brachte.

Kaum 24 Stunden später erhielten wir von CONDOR, zusammen mit der üblichen Zufriedenheitsumfrage (die haben Mut!), die Einladung für einen Wettbewerb, bei dem 2 CONDOR-Flüge in der Economy Klasse zu gewinnen wären. – Nein, danke! Ich fliege nächstes Mal lieber wieder mit der Mutter des Condors, dem Kranich.

Da fällt mir übrigens grad auf: DIE Mutter, aber DER Kranich. Ein Transgender? Soll mir recht sein! Ich finde sowieso, dass die LGTB-Q-Gemeinde unser aller Leben farbiger und damit reicher macht. – So, jetzt wäre das auch wieder einmal gesagt. 🙂

Bis zum nächsten Mal.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

The Greatest Country …

Stellt euch vor: Im April 2017 hat ein mir sehr gut bekannter, ehrenhafter und auf seinen amerikanischen Pass einst blödsinnig stolzer Bürger der USA seinen Behörden in Miami mitgeteilt, dass er sich auf Ende März 2018 in Panamá zur Ruhe setzen und seine Rente beziehen möchte. – Danke für die Mitteilung.

Dann passierte lange nichts mehr. Sehr lange. Und zwar gar nichts. Bis vor ungefähr 2 Monaten, um genau zu sein, also bis Juni 2018, drei Monate nachdem theoretisch seine erste Rente hätte ausbezahlt werden müssen.

Nachdem das nicht geschehen war, meldete sich mein Kleiner Amerikaner via e-mail bei der Social Security in Miami, um sich zu erkundigen, warum er seine Rente nicht bekomme.

„Wie bitte? Was möchten Sie? – „Das ist nicht so einfach. Damit wir Ihnen eine Rente auszahlen können, müssen Sie persönlich bei uns vorstellig werden.“  – Dann hat Roli einen Termin gefasst, einen Montagmorgen um 10am, und umgehend den Flug von Panamá nach Miami gebucht, um den vereinbarten Termin sofort nach der Rückkehr von einer Reise in die Schweiz wahrnehmen zu können.

Rolis Trip to Switzerland

Kaum war der frischgebackene Pensionär also aus Helvetien zurück, packte er schon wieder seine Koffer und machte sich auf den Weg, d.h. auf den Flug zum ‚Greatest Country of the World‘.

Am vereinbarten Montag stand der optimistische Antragssteller bereits lange vor 10:00 Uhr auf der Matte der Social Security in Miami, um das kleine Problem möglichst schnell lösen zu können.

Doch – oh je – statt um 10am bedient zu werden, durfte er um 10 Uhr erst eine Nummer ziehen, um sich anschliessend in einen Wartesaal zu setzen, wo schon viele andere warteten. Nachmittags um 3 wurde endlich seine Nummer aufgerufen …

Was für eine kalte Dusche, als ihm der gelangweilte Officer stocktrocken mitteilte, er hätte gar keinen Anspruch auf eine Rente, weil er ja Ausländer und in den USA gar nicht registriert sei … Hä!?! – „Ja, aber ich habe doch einen amerikanischen Pass und jedes Jahr pünktlich meine Steuern und alle anderen obligatorischen Abgaben bezahlt. Das ist doch gar nicht möglich …“. –  Missmutig und eher widerwillig erklärte sich der Beamte bereit, die Daten des illegalen Latinos aufzunehmen und ‚dann halt‘ ein Nachforschungsbegehren einzuleiten.

Den Rest der Woche verbrachte Roli mit seinen Freunden Michèle, Julio und Jessica in Miami.

Eine Woche später landete ein ziemlich frustrierter (und sichtlich nicht mehr ganz so stolzer) Amerikaner wieder in Panamá. Problem ungelöst. Immerhin hatte ihm der Officer in Miami aber vor der Abreise noch gesagt, die Social Security habe auch ein Büro in der amerikanischen Botschaft in Panamá. Er bräuchte nicht noch einmal nach Miami zu fliegen …

Eine telefonische Anfrage bei der Embassy of the USA in Panamá ergab, dass die Social Security dort KEIN Büro unterhält. Die zuständige Stelle für Residentes americanos de Panamá befinde sich in Costa Rica … er könne sich dort ganz einfach via Internet einen Termin geben lassen. Geht’s noch?!?

Durch einen glücklichen Zufall erfuhr unser rentenloser Rentner, dass in Panamá unlängst auch so ein Büro aufgegangen sei, ganz in der Nähe der Metrostation Via Argentina … Also, nichts wie los! Via Internet ergatterte sich Roli dort einen Temin: Mittwoch, 15. August, 10:00 bis 10:30 Uhr.

Diesmal begleitete ich ihn. 10 vor 10 waren wir da, wurden eingelassen und … Überraschung: Um 10 Uhr durfte Roli eine Nummer beziehen! Die 29.

Der Saal war kahl und stark unterkühlt (wie ein Kino in Miami) und schon ziemlich gut besetzt. Im Augenblick wurden grad die Nummern 8 und 9 bedient. An drei Campingtischen ‚arbeiteten‘ drei Beamte, d.h. der links war eigentlich nur für das Verteilen der Nummern zuständig, und die anderen zwei bedienten je einen Kunden, kamen aber kaum voran, weil sie sich für ihre Arbeit zu zweit einen Computer auf Tisch Nummer 3 teilen mussten. – Ha! The greatest country of the world. Von wegen!

SocialSecurity

Immerhin wurde die Nummer 29 aber ’schon‘ nach eineinhalb Stunden aufgerufen. Wow! Das war aber schnell!

Freundlich war er, der Beamte. Das muss man ihm lassen. Er teilte Roli mit, dass sein Anliegen offenbar tatsächlich aufgenommen und in Bearbeitung sei. Die Dokumente seien aber laut Register aus unerklärlichen Gründen im Archiv der Zweigstelle in der Dominikanischen Republik, und das könne nun natürlich etwas dauern, bis die Auszahlung der Rente aktiviert werde … etwa drei bis vier Monate, wenn alles gutgehe.

Vielleicht, wenn Roli also etwas Glück hat, dann bekommt er zu Weihnachten (vielleicht!!!) seine erste Rente aus den USA ausbezahlt. Aber eigentlich spielt das ja auch gar keine Rolle. Die Rente der Social Security entspricht sowieso nur einem besseren Taschengeld. Leben kann davon niemand. Die meisten Pensionierten US-Amerikaner aus dem Mittelstand arbeiten deshalb auch nach ihrer Pensionierung weiter … als Einpacker bei Publix zum Beispiel.

Unser Protagonist hat glücklicherweise und völlig atypisch für einen Latino – unabhängig vom ‚Greatest Country of the World‘ – in weiser Voraussicht eine zweite, eine dritte und sogar eine vierte Säule aufgebaut. Gott sei Dank!

Und er hat auch einen Plan B. Sollte das mit der Rente der Social Security nämlich nicht klappen, dann will er den amerikanischen Pass wegschmeissen, um The Greatest Country of the World wenigstens nicht noch weiterhin mit seinen Steuern unterstützen zu müssen.

Der Stolz auf die amerikanische Staatsbürgerschaft ist ihm ja sowieso schon längst abhanden gekommen, spätestens seit das Land von einem rassistischen Despoten und ein paar in der Zwischenzeit verurteilten Kriminellen regiert wird.

Drückt mir aber bitte die Daumen! Roli hat nämlich gesagt, dass er mich zu einem schicken Essen in der Villa Capricioso auf der Insel Taboga (Urs, chunsch au mit?), oder bei Luís im PRIME (weisch no, Ruedi?) einladen will, wenn er die erste Rente bekommt 🙂

 

 

 

 

San Blas I

 

Vom ersten bis zum vierten Oktober waren Roli und ich mit Freunden unterwegs im Inselparadies San Blas.

Screen Shot 10-19-17 at 09.22 PMDie zweieinhalbstündige Fahrt von Playa Bonita nach Cartí wollte ich ursprünglich in meinem eigenen Auto machen. Schliesslich habe ich doch vor 4 Jahren genau für Abenteuer dieser Art einen 4×4 gekauft.

Screen Shot 10-27-17 at 08.31 AM

Nachdem mich aber rundherum alle gewarnt hatten, entschied ich kurzfristig, doch Hortensias Fahrer Erasmo zu fragen … Dieser wollte nicht, da er kein geländegängiges Fahrzeug habe. Aber er empfahl mir einen Freund, der bereit sei, sich auf solche Abenteuer einzulassen. Dieser Freund war jedoch ausgebucht.

Schliesslich rief mich am Vorabend, nachts um elf, der Freund eines Freundes von Erasmos Freundes Freund an und erklärte sich bereit, die Fahrt für 120 Dollar zu übernehmen. Bereits mehr oder weniger im Halbschlaf sagte ich zu.

Schon eine Viertelstunde vor dem vereinbarten Zeitpunkt rief mich Ari(stóteles) am folgenden Morgen an und teilte mit, er warte in der Lobby auf uns. Wow – ein Glückstreffer! Ari scheint zuverlässig zu sein.

Pünktlich um halb Sieben stiegen wir ein, Ari trat das Gaspedal durch und wir bretterten los. Fitipaldi wäre vor Neid erblasst.

Die ersten 90 Minuten waren wir auf relativ guten Strassen unterwegs. Dann aber bogen wir unvermittelt links ab und die Fahrt mutierte von einer Sekunde auf die andere zu einem Bergrennen. Konkurrenten waren zwar weit und breit keine Vorhanden, aber Ari wollte wohl einen persönlichen Rekord aufstellen. Mit Reifen ohne Profil! Ein Rennwagen halt.

Hansjörg wurde zunehmend bleicher. Zweimal legten wir einen technischen Halt ein, damit er Bögen husten und die Krähen rufen konnte. Danach ging’s im gleichen Tempo weiter, bis … ja, bis wir schliesslich im Strassengraben landeten.

Screen Shot 10-27-17 at 08.56 AMZwei Ranger, die zufällig vorbeikamen, halfen uns aus dem Dreck, d.h. eigentlich halfen sie Ari aus dem Dreck, nicht uns. Uns hiess man nämlich freundlich, aber unmissverständlich, Distanz zu halten UND NICHT ZU FOTOGRAFIEREN.

Danach ging’s weiter nach Cartí, von wo uns ein Guna-Wasser-Taxi zum Katamaran ARCADIA brachte.

Den Rest und gewisse Details kannst du hier sehen: San Blas I
(Auf manchen Mobile Phones und Tablets lässt sich das Video nicht aufmachen, weil es copyrightgeschützten Inhalt enthält. Auf Computern sollte das aber kein Problem sein.)

Diese beiden Sweeties waren mit auf dem Trip.

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La Locura de Panamá Pacífico

Bisher habe ich meine Lebensmittel bei RIBA SMITH im Zentrum MULTIPLAZA eingekauft. Das waren jedes Mal fast 20 Kilometer hin und 20 Kilometer zurück.

Screen Shot 10-12-17 at 03.24 PMSeit ein paar Monaten haben wir nun einen RIBA SMITH ganz in der Nähe von Playa Bonita: In Panamá Pacífico.

Endlich muss ich nicht mehr jedes Mal fast 20 Kilometer in die Stadt fahren, um Lebensmittel zu besorgen, und dem Stau über die Puente de las Américas kann ich auch ausweichen. Bis zum neuen Riba in Panamá Pacífico sind es nur gut 3 Kilometer, einen grossen Parkplatz gibt es dort auch und Stau ist ein Fremdwort. Super, nicht wahr?

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von 04:00 bis 08:45 Uhr

Aber Panamá wäre nicht Panamá, wenn das Problem damit gelöst wäre. Oh, nein!

Panamá Pacífico, im Volksmund bekannt als Howard, war während der Zeit, in der die Amis hier das Sagen hatten, also bis 31. Dezember 1999, amerikanische Zone. Howard hat einen eigenen, zwar kleinen aber doch immerhin internationalen Flughafen und ist heute eine Zollfreizone, in der jedoch auch viele neue Häuser und Wohnungen gebaut werden/wurden. Deshalb haben sich sehr schnell auch die wichtigsten Läden und Geschäfte angesiedelt: RIBA SMITH, NOVEY, ARROCHA, PANAMEDICA usw. Auch eine grosse Tankstelle liegt praktisch vor meiner Haustür und viele kleine Restaurants. Alles ganz nah. Und demnächst soll im Zentrum von Howard sogar eine Station der Metrolinie 2 gebaut werden, mit Anschluss zum Flughafen Tocúmen. Das wäre eigentlich alles ganz ideal.

Aber: es gibt nur zwei Zufahrtsmöglichkeiten zu dieser Zone, und bei beiden muss man eine Kontrollstelle passieren. Und jetzt kommt der Gag: Die Zufahrt gleich vor meiner Haustüre kann ich nur von 04:00h bis 08:45h passieren. Danach ist sie gesperrt für alle, die nicht in Howard wohnen, arbeiten oder zur Schule gehen. Begründung: das ist eine Zollfreizone, und da kann nicht einfach jeder rein und raus wie er will. Aha. Leuchtet ein, oder?

Wenn ich aber bereit bin, einen Umweg von gut 10 Kilometern pro Weg in Kauf zu nehmen, dann kann ich 7 Tage und 24 Stunden pro Tag völlig problemlos nach Howard und wieder zurück fahren. Offiziell. Ganz ohne jegliche Kontrolle!

Screen Shot 10-12-17 at 12.10 PM 001

nach 08:45 bis 04:00 Uhr

Das ist Logik à la Panameña! Verstehst du das? Ich nicht.

Zum Video hier klicken

Für mehr Info über Howard hier klicken

 

Aftermath …

Für alle, die sich mit der englischen Sprache nie näher auseinandergesetzt haben: Mit dem Darmausgang, also dem After, hat das Wort Aftermath nichts zu tun, und mit Hausaufgaben in Mathe auch nicht, obwohl das, worüber ich heute schreibe auch ziemlich viel mit Scheisse zu tun hat, so wie im wahrsten Sinne des Wortes der After oder im übertragenen Sinn für manche Menschen eben die Mathe.

Aftermath bedeutet ganz einfach Nachwirkungen. Und ich meine heute damit die Nachwirkungen des Hurrikans Irma, die Scheisse also, die uns Irma hinterlassen hatte, nachdem sie vor ein paar Wochen in Miami brutal und rücksichtlos über uns hergefallen war.

Heute liefere ich nun ein paar Details nach, um danach das Kapitel Irma mit etwas Verspätung endgültig abzuschliessen, mein Hurrikan-Trauma als erledigt zu betrachten und mich por fin genüsslich in die Verarbeitung der unzähligen positiven Eindrücke von den verschiedenen Trips mit Roli, Irene und Gian-Giorgio zu stürzen.

Fast eine ganze Woche lang waren wir ohne elektrischen Strom. Was das bedeutete, habe ich in meinem letzten Beitrag kurz beschrieben, bevor ich meinen Blog für einen Monat auf Eis legte, um mich in Panamá möglichst uneingeschränkt meinen Gästen aus der Schweiz widmen zu können, die ja bestimmt nicht über den Atlantik geflogen kamen, um mich dann tagelang vor einer Tastatur hocken zu sehen.

Irma knickte Strommasten und Bäume nicht bloss, um uns nachhaltig von der Versorgung elektrischer Energie abzuschneiden, nein, sie legte diese auch gleich dutzendweise kreuz und quer über sämtliche Strassen im Quartier, weshalb FPL (Florida Power & Light) der Zugang zu der beschädigten Infrastruktur und uns das Verlassen des Quartiers – ausser zu Fuss – tagelang praktisch unmöglich war.

Video zum Thema Aftermath (Diesen Clip hatte ich gesten für Testzwecke bereits via WhatsApp an Freunde geschickt. Die meisten konnten den Link problemlos aufmachen, aber andere bekamen seltsamerweise die Meldung, das das Video nicht verfügbar sei. Ich habe keine Erklärung dafür. Sorry.)

Die drei unangenehmsten Folgen des Hurrikans waren
a) der Stromausfall,
b) dass in den ersten Tagen sogar unsere Mobile Phones keinen Empfang hatten und
c) die Tatsache, dass wir wegen der blockierten Strassen praktisch in unserem Quartier eingeschlossen waren.

Wir wussten nicht, wie es ausserhalb unseres Quartiers aussah und wann allenfalls ‚Rettungsmannschaften‘ zu uns vorstossen würden. Fernsehen konnten wir ohne Strom ja nicht, über das Autoradio war bloss zu hören, dass es überall schlimm war, und anrufen konnten wir vorerst auch niemanden, weil wir zwei Tage lang keinen Handy-Empfang hatten. Abgesehen von einzelnen Stromgeneratoren, die in der Nachbarschaft ab und zu knatterten, war es in unserem Quartier gespenstisch ruhig.

ZümDank dem Zümaround, das ich vor den Ankunft von Irma vorsorglich aus der Garage ins Haus geholt und die Batterie geladen hatte, kam ich schliesslich an den Blockaden vorbei und konnte so die etwas entferntere Umgebung erkunden. Läden und Tankstellen blieben geschlossen. Auf den Strassen begegnete ich den ersten Menschen, die sich auch aus dem Haus gewagt hatten und bekam zu hören, dass es ihnen nicht besser ging als uns.

Wir stellten uns auf eine längere Zeit ohne die Annehmlichkeiten der Zivilisation ein. Geduscht wurde kalt und ‚gekocht‘ auf dem grossen Barbecue-Grill, den wir wieder im Backyard aufstellten. Im Kühlschrank hatten wir vorläufig noch genügend Lebensmittel, und Getränke waren auch ausreichend vorhanden. Die Wasserversorgung war Gott sei Dank nicht unterbrochen.

GrillImHaus

ABER: am dritten Tag war unser ganzes Tiefkühlgut angetaut. Was nun? Ganz einfach: alles auf den Grill, damit es wenigstens einen oder zwei Tage länger nicht verdarb! Unter anderem verarbeitete ich am Mittwochabend unseren ganzen Fischvorrat auf dem seitlich am Grill befestigten Gasbrenner zur wohl reichhaltigsten (und absolut besten!) Bouillabaisse, die ich in meinem ganzen Leben gegessen habe. Das war dann allerdings so viel, dass wir am Donnerstag, als die Strassen wieder passierbar waren, den grossen Topf in unser Auto packten und damit zu Michèle nach Kendall fuhren. Sie hatte Strom und damit eine funktionierende Klimaanlage. Einen Teil der Suppe verspeisten wir dort bei einer Raumtemperatur von angenehmen 72 Grad Fahrenheit gemeinsam mit ihr, den Rest durfte sie einfrieren und für sich behalten.

Am Mittwochabend herrschte geschäftiges Treiben an der Sorolla Avenue. Die Netzelektriker von FPL (Florida Power & Light) stiessen endlich in unser Quartier vor, stellten die Schäden fest und begannen umgehend mit dem Beheben der Probleme. Schon am gleichen Abend erstrahlte die ganze Häuserzeile auf den anderen Strassenseite wieder in hellem Licht. Nur bei uns blieb es dunkel. Stockdunkel. Und zwar bis am Freitagabend um 9 Uhr. Dann endlich war es auch auf unserer Seite soweit. Es wurde Licht!

Da wir für Samstagmorgen Flüge nach Panamá gebucht hatten, das Haus in Coral Gables aber in ordentlichem Zustand verlassen wollten, hiess das allerdings, dass wir eine Nachtschicht einlegen mussten. Nach einer Woche mit schweisstreibenden Aufräumarbeiten  rund ums Haus, in tropischem Klima, ohne Air Condition für allfällige Pausen im Haus, warteten Berge verschwitzter und schmutziger Kleider darauf, gewaschen, falls nötig gebügelt und wieder in den Schränken verstaut zu werden. Gleichzeitig putzten wir das Haus von unten bis oben. Geschlafen hatten wir diese Woche während den langen, dunklen Nächten ja genug, und für die darauffolgende Woche waren zwei Showings (Hausbesichtigungen) angesagt.

Am Samstag verliessen wir 1147 Sorolla Avenue in den frühen Morgenstunden und begaben uns zum Flughafen. Roli hatte einen Flug bei AA gebucht, ich bei COPA. Freunde aus Panamá hatten uns am Vorabend geschrieben, dass sie erst am darauffolgenden Dienstag fliegen könnten, weil COPA und AA die Flugzeuge, die sie wegen Irma aus Miami evakuiert hatten, noch nicht wieder am richtigen Ort hätten, um nach Plan fliegen zu können. Aber wir hatten Glück: beide Flüge verliessen Miami pünktlich (und fast gleichzeitig), und genauso pünktlich kamen auch beide in Panamá an.

Ich war seither nicht wieder in Miami. Aber der Kleine Amerikaner flog am Samstag zurück, und er hat mir berichtet, dass es in Coral Gables nach wie vor schlimm aussieht.

Aber unser Haus steht da wie eine Eins, unbeschädigt, und kann jetzt mit dem Prädikat garantiert hurricane-safe vielleicht sogar noch schneller oder teurer 🙂 verkauft werden.

In der Zwischenzeit waren wir mit Irene und Gian-Giorgio auf Erkundungstour in Panamá: Casco Viejo, Museo de la Biodiversidad, Schleusen auf der Atlantikseite, Valle del Antón, Chitré, Chiriquí und San Blas.

Zum Casco Viejo und zum Museo de la Biodiversidad gibt es sogar schon kurze Clips.

Casco Viejo: hier klicken

Museo de la Biodiversidad auf dem Causeway: hier klicken

Und hier noch some breaking News: Da Panamá sich gestern für die Weltmeisterschaftsspiele qualifiziert hat, erklärte Präsident Carlos Varela den heutigen Tag kurz entschlossen zum nationalen Feiertag. Alles geschlossen!

Wie sagte Obelix doch schon wieder? „Die spinnen, die Römer.“ – Kann sein, aber die Panameños auch! Auf jeden Fall der Präsident. Und José Manuel Bern. Und natürlich Alina. Und sowieso alle Behördenmitglieder und … Ja, wer denn eigentlich nicht?

Ein Beispiel panamaischer Logik: Es gibt bei mir in der Nähe, in ungefähr 2 Kilometern Entfernung,  einen guten, neuen Supermarkt. Der liegt in einer Zollfreizone. Diese Zone hat zwei offizielle Zufahrten, und beide sind 24 Stunden pro Tag mit Wachmännern bestückt und werden kontrolliert. Bei der für mich näheren Zufahrt darf ich aber nur von Montag bis Freitag, jeweils von 04:00 bis 08:45 h rein oder raus. Bei der anderen Garita habe ich 7 x 24 Stunden uneingeschränkten Zutritt.

Heute morgen um 7 Uhr wollte ich kurz zu diesem Supermarkt. Aber nix da! Der Guardia liess mich nicht rein. Und die Begründung war: Heute ist ein Feiertag. Heute musst du den Umweg über die andere Zufahrt machen. Das wären 30 Kilometer … Hä???

Verstehst du mich jetzt? Die spinnen, die Panameños! Die Römer sind da nicht allein. Einverstanden? Sag das Obelix, falls du ihn zufälligerweise siehst.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nicht fair!

Es ist nicht fair, fast jeden Tag über Ereignisse zu berichten, die der Hurrikan Irma uns beschert hat, und dann – von einem Tag auf den anderen – einfach nichts mehr von sich hören zu lassen.

Ich melde mich deshalb heute ganz kurz mit einer Erklärung und entschuldige mich für die Schreibpause, damit sich niemand Sorgen um mich macht.

Als Irma am 9. September über Florida her fiel, hat sie uns gleich zu Beginn das Licht ausgeknipst und sämtliche Kommunikationskanäle gekappt. Von Samstagabend bis zum darauffolgenden Freitag um 21 Uhr hatten wir keinen elektrischen Strom. Also fast eine ganze Woche. Das bedeutete

  • kein Licht
  • kein Fernsehen, und damit keine News
  • kein Radio
  • kein Telefon(!) – die Antennen für Mobilfunk waren auch 2 Tage ausser Betrieb
  • kein Kochherd
  • kein Backofen
  • keine Klimaanlage
  • kein warmes Wasser
  • keine Waschmaschine
  • kein Internet
  • leere Batterien und Akkus in iPhones, iPads und Computern
  • kein Kühlschrank – am dritten Tag war alles aufgetaut.
  • usw.

Um uns bei Laune zu halten, setzten wir uns jeden Tag eine halbe Stunde lang ins Auto und starteten den Motor, um unsere mobilen Geräte aufzuladen und ein paar Minuten Air Condition zu geniessen. Danach machten wir weiter mit Aufräumen rund um das Haus und kreierten mit unserem Notvorrat und dem auftauenden Gefriergut phantasievolle ‚Gourmet-Menus‘ auf dem Grill.

Am Freitagabend um 9 Uhr gab’s dann endlich wieder Strom. Weil wir schon lange vor Irmas Ankunft für Samstagmorgen Flüge nach Panamá gebucht hatten, blieb uns nur die eine Nacht, um all die verschwitzte und verschmutzte Wäsche zu waschen und zu bügeln, das ganze Haus zu putzen und wieder in einen präsentablen Zustand zu versetzen, weil wir es ja schliesslich zum Verkauf ausgeschrieben haben und während unserer Abwesenheit einige ‚Showings‘ stattfinden sollten.

In Panamá genossen wir in unserer Wohnung am Meer zunächst einmal zwei Tage lang die Vorzüge des Lebens mit elektrischer Energie, Klimaanlage, Kühlschrank, Eis …

Am 19. September, holten wir unsere beiden lieben Gäste Irene und Hansjörg am Flughafen Tocúmen ab, mit denen wir seither und bis zum 5. Oktober Panamá bereisen, das Leben geniessen und halt eben keine Zeit zum Schreiben haben … Sorry.

Ab Mitte Oktober dürft ihr dann wieder mit regelmässigen Beiträgen rechnen.

Bis dann!

 

 

 

 

 

 

 

Sonntagmorgen, 10. September 2017

Heute verrate ich dir ein Geheimnis, das ich viele Jahre bestens gehütet habe, weil ich befürchtete, sonst subito mit dem Gelben Wägelchen ins Burghölzli* oder nach Pfäfers* verfrachtet zu werden.

ICH KANN FLIEGEN!

Ja, wirklich, und zwar ohne Hilfsmittel, einfach nur mit der Kraft meines Geistes und absoluter Konzentration. Sogar nachts kann ich das, bei völliger Dunkelheit. Wie? Nein, ich habe nichts geraucht, und geschluckt habe ich ausser einem bescheidenen und völlig harmlosen Frühstück auch nichts.

Vergangene Nacht bin ich über den Kanton Schwyz geflogen. Während Flüge dieser Art normalerweise völlig harmlos sind, geriet ich diesmal jedoch in eine äusserst heikle Situation: ich wurde plötzlich von einem grellen, weissen Licht geblendet und konnte nicht mehr sehen, wohin ich flog. Auf einem gewöhnlichen Flug hätte einfach höher steigen können, um allfälligen Hindernissen und den damit verbundenen Gefahren auszuweichen, aber ich hatte ein Ziel am Boden und musste deshalb landen.

Im Hauptort des Kantons fand nämlich um Mitternacht in einem herrschaftlichen Haus ein geheimes Treffen von Menschen mit übernatürlichen Fähigkeiten statt, mit Menschen wie mir also.

Ich war gerade dabei, einem anderen Spinner für CHF 47.50 einen Strauss wunderschönster Rosen einer neuen Züchtung abzukaufen, Rosen mit garantierter Haltbarkeit von mindestens einem Jahr, wenn man ihnen nur alle 6 Wochen frisches Wasser gäbe, als es plötzlich einen riesen Knall gab, der mich unsanft aus meinen Träumen aufschreckte und mich wieder mit beiden Füssen auf den Boden der Wirklichkeit stellte: IRMA WAR DA! Für einen kurzen Moment kam Panik auf.

Irma fauchte und tobte, liess wütend einzelne Blitze zucken und den Donner grollen, wollte sich mit Gewalt Zutritt zu unserem Haus verschaffen und rächte sich für die konsequente Zurückweisung, indem sie im ganzen Quartier Bäume entwurzelte, Palmen köpfte, Strommasten knickte und es regnen liess, dass ich oft kaum zwei Meter weit sehen konnte.

Glücklicherweise fällte sie bis zu diesem Zeitpunkt in unserem Back Yard nur zwei Palmen, legte eine 5 Meter hohe Bougainvillea flach, riss ein paar Sträucher mitsamt den Wurzen aus dem Boden, setzte sie gelangweilt in einer anderen Ecke des Gartens wieder ab, kippte zentnerschwere Töpfe, rollte sie durch den Garten und machte platt, was ihr in den Weg kam und nicht niet- und nagelfest verankert war.

Unsere Gartenmöbel hatten wir bereits Tage zuvor in der Garage verstaut, den grossen Gartengrill im Family Room in Sicherheit gebracht, und uns so gut es noch ging mit Notvorrat und Treibstoff versorgt.

Den Zugang zum Haus hat Irma glücklicherweise nicht geschafft. Nur ein paar Ziegel hat sie offenbar als Souvenir mitgenommen oder sie teilweise auf den Nachbargrundstücken wieder uninteressiert fallen gelassen. Aber das Haus als Ganzes blieb soweit unversehrt und das Dach auch ohne die paar fehlenden Giebelziegel dicht.   

Aber wir hatten keinen elektrischen Strom mehr. Auch kein Internet. Und selbst unsere Mobiltelefone funktionierten nicht mehr, weil Irma in ihrer Wut offenbar auch das Handynetz erledigt hatte. Dabei hatte sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal ihren Höhepunkt erreicht.

Irma schlägt zu

Das Haus hingegen stand da wie eine Eins. Die Türen und Fenster hielten was sie versprachen. Sogar den Lärm dämmten sie schätzungsweise zu etwa 90 Prozent, was bei dem ohrenbetäubenden Krach von draussen ein wahrer Segen war. Das liess immerhin ein Gefühl relativer Sicherheit für die bevorstehenden Stunden aufkommen.

Da sich die bösartige Schlampe jetzt aber wesentlich langsamer vorwärts bewegte als angenommen, mussten wir uns darauf gefasst machen, dass der Horror noch über Stunden, wenn nicht Tage wie in Houston, anhalten würde.

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  • Burghölzli und Pfäfers sind psychiatrische Einrichtungen, in meiner Jugend  noch Irrenanstalten genannt.